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Tägliche Nachrichten

09/06/04: Mexiko will in Kolumbien vermitteln - Quito (AP) Mexiko will bei möglichen Verhandlungen zwischen der kolumbianischen Regierung und der Guerillagruppe ELN vermitteln. Eine entsprechende Vereinbarung erzielten der mexikanische Außenminister Luis Ernesto Derbez und seine kolumbianische Kollegin Carolina Barco während eines Treffens der Organisation
Amerikanischer Staaten (OAS) in Quito. Die mexikanischen Vermittler wollen eine `internationale Garantie" als ersten Schritt für einen Friedensprozess mit der ELN vorlegen, wie beide Seiten in
Erklärungen bekanntgaben, die am Dienstag in Mexiko-Stadt und Bogota veröffentlicht wurden. Die ELN hatte in der vergangenen Woche angeboten, einen bilateralen Waffenstillstand auszuhandeln. Der kolumbianische Präsident Alvaro Uribe verfolgt einen harten Kurs gegenüber den linksgerichteten Rebellengruppen FARC und ELN. Die bislang letzten Friedensverhandlungen zwischen Regierung und der rund 5.000 Kämpfer starken ELN endeten, als der Hardliner Uribe im August 2002 das Präsidentenamt übernahm. Mit mehreren rechtsgerichteten paramilitärischen Gruppen hat Uribe Gespräche aufgenommen. Der seit rund 40 Jahren anhaltende Bürgerkrieg in Kolumbien kostet jedes Jahr mehrere tausend Menschen das Leben.

07/06/04: OAS wählt neuen Generalsekretär und legt Leitlinien fest - Quito (dpa) - OAS wählt neuen Generalsekretär und legt Leitlinien fest - Quito (dpa) - Der frühere Präsident Costa Ricas, Miguel Ángel Rodríguez (64), ist am Montag zum neuen Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) gewählt worden. Der Wirtschaftsexperte tritt die Nachfolge von César Gaviria an, während dessen Amtszeit die Organisation nach Ansicht von Kritikern hinter ihren ehrgeizigen Zielen wie der Bekämpfung von Korruption und Armut zurückblieb. Die Wahl während er 34. Generalversammlung der OAS in Ecuadors Hauptstadt Quito erfolgte einstimmig. Rodríguez sagte bei seiner Antrittsrede, er wolle sich für die Stärkung der Demokratie und die Stabilität in der Region einsetzen. Auf der bis Dienstag dauernden Generalversammlung sollten zudem Leitlinien für eine «bessere Zukunft» festlegt werden. Oberste Priorität soll wie schon in früheren Jahren die Bekämpfung der in Lateinamerika und der Karibik besonders verbreiteten Korruption haben. Korrupten Funktionären solle künftig kein Asyl mehr gewährt und deren Auslierferung erleichtert werden. Weitere Themen der Versammlung waren der umstrittene Anspruch
Boliviens gegen Chile auf einen Zugang zum Pazifik, die Unterstützung der Friedensbemühungen in Kolumbien, der Kampf gegen die sexuelle Ausbeutung Minderjähriger, die Rechte der Indio-Völker, die Stärkung der Demokratie und die Beschränkung der Militärausgaben in der Region. Zugleich demonstrierten Indio-Organisationen gegen Ecuadors Präsidenten Lucio Gutiérez und die von den USA porpagierte amerikanische Freihandelszone sowie für mehr Rechte für die Indio-Völker Lateinamerikas.

07/06/04: Autobombe explodiert vor Polizeiwache in Medellin - Bogota (AP) In der Nähe einer Polizeiwache und einer Kirche ist am Montag in der kolumbianischen Großstadt Medellin eine Autobombe explodiert. Mindestens acht Menschen wurden verletzt, darunter auch ein Geistlicher, wie die Polizei in der zweitgrößten Stadt Kolumbiens mitteilte. Die Autobombe ging auf einem Parkplatz hoch. Die Polizei untersuchte noch die möglichen Hintergründe. Die Behörden vermuteten aber, dass es sich um einen Anschlag der linken Rebellenorganisation Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (FARC) gehandelt habe.

06/06/04: Kolumbiens Regierung und ELN-Rebellen geben Friedenssignale - Bogotá (dpa) - Kolumbiens Regierung und die ELN-Rebellen haben ihre grundsätzliche Bereitschaft zur Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen bekundet. Der Anführer des «Nationalen Befreiungsheeres» (ELN), Gerardo Bermúdez alias «Francisco Galán», schlug einen Waffenstillstand und eine Amnestie für in Haft sitzende Rebellen und politische Gefangene vor. Damit reagierte er auf ein entsprechendes Angebot der Regierung von Präsident Alvaro Uribe. Eine Befriedung Kolumbiens war jedoch weiter nicht absehbar, weil die größte und schlagkräftigste Rebellengruppe, die «Revolutionären Streitkräften Kolumbiens» (FARC), nicht in den Prozess einbezogen ist. Galán war am Freitag für 24 Stunden aus einem Hochsicherheitsgefängnis entlassen worden, um mit Vize-Präsident Francisco Santos über die Wiederaufnahme der Friedenskontakte zu sprechen. Santos hatte kurz vor dem Treffen betont, die Regierung werde «großzügig» auf Angebote der Rebellen reagieren und deren Sicherheit im Falle einer Friedensregelung garantieren. Das ELN ist mit 4500 Männern und Frauen unter Waffen die zweitgrößte Rebellengruppe Kolumbiens. Das für Massenentführungen berüchtigte ELN hat in den vergangenen Jahren viel von seiner früheren Schlagkraft verloren. Zahlreiche Mitglieder liefen zu anderen Rebellengruppen oder zu den extrem rechten Paramilitärs über.

06/06/04: Kolumbien: Guerilla-Gruppe ELN zu Friedensgesprächen bereit  - Buenos Aires (epd). Die zweitgrößte Guerillagruppe Kolumbiens hat ihre Bereitschaft zu Friedensgesprächen mit der Regierung erklärt. Ziel des «Nationalen Befreiungsheeres» (ELN) sei ein «humanitäres Abkommen» mit der Regierung, sagte ELN-Sprecher Francisco Galán nach kolumbianischen Zeitungsberichten vom Samstag nach einem Treffen mit dem Vizepräsidenten des Landes, Francisco Santos. Neben einem Waffenstillstand beinhalte der Plan auch eine Generalamnestie für alle «politischen Gefangenen», so Galán. Ein solches Abkommen könne «den Weg öffnen für eine politische Lösung, von der alle Kolumbianer träumen». In der vergangene Woche hatte die ELN bereits akzeptiert, dass die mexikanische Regierung als Vermittler bei Verhandlungen zwischen der
kolumbianischen Regierung und der Guerilla auftreten könnte. Guerilla-Führer Galán bekam für sein Treffen mit Santos für 24 Stunden Freigang aus dem Hochsicherheitsgefängnis Itaguí nahe
Medellín, wo er seit 1992 eine Haftstrafe wegen Rebellion absitzt. Es war das erste Mal, dass die Regierung des Präsidenten Alvaro Uribe einen Guerillero für Gespräche aus dem Gefängnis ließ.
Vizepräsident Santos sagte, dass die Regierung eine «großzügige Antwort» finden werde, sollte die ELN dazu bereit sein, über ein Friedensabkommen zu verhandeln. Santos forderte die
Guerilla-Organisation auf, einen einseitigen Waffenstillstand zu verkünden, damit die Gespräche beginnen könnten. Seit 40 Jahren wütet in Kolumbien ein blutiger Konflikt zwischen linken Guerillagruppen, der Armee und rechtsextremen Paramilitärs. Die Vereinten Nationen sprechen von der derzeit «größten humanitären Krise in der westlichen Hemisphäre». Kolumbien hat die höchste
Mordrate der westlichen Welt. Rund drei Millionen Menschen sind im eigenen Land auf der Flucht. Nach Angaben von amnesty international wurden im vergangenen Jahr mehr als 3.000 Zivilisten aus politischen Gründen getötet, 600 «verschwanden». 2.200 Menschen wurden entführt.

05/06/04: USA beantragen von Kolumbien Auslieferung von FARC-Chef Palmera - Justizminister: Oberstes Gericht prüft Antrag - Bogotá, 5. Juni (AFP) - Die USA haben die Auslieferung des in
Kolumbien inhaftierten Chefs der FARC-Guerilla, Ricardo Palmera, beantragt. Der Regierung liege das formale Auslieferungsgesuch Washingtons vor, teilte der kolumbianische Innen- und
Justizminister Sabas Pretelt am Freitag (Ortszeit) mit. Der Antrag werde wie alle anderen Auslieferungsgesuche behandelt und sei dem Obersten Gericht zur Prüfung vorgelegt worden. Palmeras Anwalt Oscar Silva sagte dem Fernsehsender RCN, sein Mandat sei von der kolumbianischen Generalsstaatsanwaltschaft über das US-Gesuch in Kenntnis gesetzt worden. Washington rechnet Palmera alias Simón Trinidad zum Führungszirkel der Guerillaorganisation Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (FARC) und macht ihn unter anderem für die Entführung von drei US-Bürgern sowie die Ermordung eines weiteren US-Bürgers verantwortlich. Der Fall liegt bereits mehr als ein Jahr zurück: Mitte Februar 2003 hatte die Guerilla im Süden des Landes ein Flugzeug mit vier US-Bürgern und einem Kolumbianer an Bord abgeschossen; der Kolumbianer wurde ebenfalls getötet. Die drei Entführten spionierten nach Ansicht der Guerilla im Auftrag des US-Geheimdienstes CIA. Nach Angaben der US-Regierung waren sie vom Pentagon beauftragt. Palmera sitzt seit seiner Festnahme Anfang Januar im Hochsicherheitsgefängnis von Cómbita rund 120 Kilometer nördlich von Bogotá. Ihm werden unter anderem Rebellion, Terrorismus, Geiselnahme und Mord vorgeworfen. Die Klageschrift umfasst insgesamt 45 Anklagepunkte. Im vergangenen Mai wurde Palmera bereits wegen Entführung und Rebellion zu 35 Jahren Gefängnis verurteilt. Er gilt als Nummer vier in der FARC-Führung und als Chefideologe der Rebellengruppe. Palmera ist derzeit das ranghöchste inhaftierte FARC-Mitglied. Die FARC ist mit 17.000 Mitgliedern unter Waffen die größte
linksgerichtete Rebellengruppe in Kolumbien, gefolgt vom Nationalen Befreiungsheer (ELN) mit rund 4500 Kämpfern. Während des seit vier Jahrzehnten andauernden Konflikts in Kolumbien zwischen der Armee, der linksgerichteten Guerilla und ultrarechten Paramilitärs starben mehr als 200.000 Menschen; 2,7 Millionen Menschen wurden vertrieben.

05/06/04: ELN bietet Waffenruhe mit Aussicht auf Friedensverhandlungen an - Guerilla und Regierung unter Mexikos Vermittlung im Gespräch - Bogotá, 5. Juni (AFP) - Unter der Vermittlung Mexikos hat die kolumbianische ELN-Guerilla der Regierung in Bogotá einen Waffenstillstand mit der Aussicht auf anschließende Friedensverhandlungen angeboten. Die Rebellenorganisation wolle mit der Regierung eine «humanitäre Vereinbarung» treffen, die neben einer beidseitigen Waffenruhe auch eine Generalamnestie für «politische Gefangene» enthalten solle, sagte der Sprecher des Nationalen Befreiungsheeres (ELN), Francisco Galan, am Freitag nach einem Gespräch mit dem kolumbianischen Vize-Präsidenten Francisco Santos und dem mexikanischen Botschafter Mario Chacon. Ein solches Abkommen könne «den Weg für eine politische Lösung öffnen, von der
alle Kolumbianer träumen». Vize-Präsident Santos begrüßte die Erklärung. Bereits vor den Gesprächen hatte er gesagt, die Regierung werde eine «großzügige Antwort» finden, sollte sich die ELN zu einem Ende der Feindseligkeiten bereit erklären. Der kolumbianische Präsident Alvaro Uribe hatte auf dem EU-Lateinamerika-Gipfel am vergangenen Samstag der ELN Friedensverhandlungen auf der Grundlage einer Waffenruhe und unter ausländischer Vermittlung vorgeschlagen. Der
mexikanische Präsident Vicente Fox hatte sein Land für die Vermittlerrolle angeboten. Während des seit vier Jahrzehnten andauernden Konflikts in Kolumbien zwischen der Armee, der linksgerichteten Guerilla und ultrarechten Paramilitärs starben mehr als 200.000 Menschen; 2,7 Millionen Menschen wurden vertrieben. Die ELN-Guerilla ist mit 4500 Kämpfern die zweitgrößte Rebellengruppe nach den Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC), die 17.000 Menschen unter Waffen haben.

04/06/04: Chef der kolumbianischen ELN-Rebellen zu Gesprächen aus Gefängnis - Bogotá (dpa) - Die kolumbianische Regierung hat dem Anführer der linken ELN-Rebellen, Gerardo Bermúdez alias Francisco Galán, Ausgang aus der Haft für Gespräche über Friedensverhandlungen genehmigt. Galán dürfe das Hochsicherheitsgefängnis in der im Nordwesten des Landes gelegenen Stadt Itagüí am Freitag für einen Tag verlassen, um sich mit Vizepräsident Francisco Santos und mexikanischen Diplomaten zu treffen, teilten die Behörden am Donnerstag mit. Die mit 4500 Männern und Frauen unter Waffen zweitgrößte Rebellengruppe Kolumbiens hatte zuvor die von Präsident Alvaro Uribe
vorgeschlagene Vermittlung Mexikos akzeptiert. Uribe hatte dem «Nationalen Befreiungsheer» (ELN) die Wiederaufnahme von Friedensgesprächen unter der Bedingung angeboten, dass es eine
internationale Vermittlung und einen Waffenstillstand gebe. Das für Massenentführungen berüchtigte ELN hat in den vergangenen Jahren viel von seiner früheren Schlagkraft verloren. Zahlreiche
Mitglieder liefen zu anderen Rebellengruppen oder zu den extrem rechten Paramilitärs über. Ende 2002 hatten die Rebellen Friedensgespräche abgebrochen, weil die Regierung Uribe aus ihrer
Sicht nicht wirklich am Frieden interessiert sei.

03/06/04: Mexikos Präsident bietet sich als Vermittler in Kolumbien an - Buenos Aires (epd). Mexikos Präsident Vicente Fox wird möglicherweise im Konflikt zwischen der kolumbianischen Regierung und der Guerillagruppe «Nationales Befreiungsheer» (ELN) als Vermittler auftreten. Wie die Tageszeitung «El Tiempo» am Mittwoch berichtete, akzeptierten die ELN-Rebellen ein entsprechendes Angebot des mexikanischen Staatschefs. In den kommenden Wochen werde Fox darüber entscheiden, welche genaue Rolle er bei möglichen Friedensgesprächen zwischen der linken Guerillaorganisation und der kolumbianischen Staatsführung spielen wird. Am Wochenende hatte Kolumbiens Präsident Álvaro Uribe bei einem Staatsbesuch in Mexiko gesagt, er sei zu Friedensgesprächen mit der ELN bereit. Ein Waffenstillstand zwischen der Armee und der Guerillagruppe müsse allerdings von internationalen Beobachtern kontrolliert werden. Bislang waren Verhandlungen zwischen den Rebellen und der Regierung nicht zu Stande gekommen. Seit Uribes Amtsantritt im Jahr 2002 hat er als Präsident auf einen militärischen Sieg im Guerillakrieg gesetzt. Friedensgespräche, wie sie die Vorgängerregierung mit der stärksten Guerillagruppe, den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC), geführt hat, lehnte Uribe bislang ab. Die FARC verfügt über etwa 17.000 Kämpfer, die ELN zählt etwa 4.500 bewaffnete Männer und Frauen.

01/06/04 : ELN-Guerilla für Friedensdialog unter mexikanischer Vermittlung - Bogotá, 1. Juni (AFP) - Die kolumbianische ELN-Guerilla hat einer Vermittlung Mexikos bei Friedensgesprächen mit der Regierung in Bogotá zugestimmt. Kolumbianische Medien zitierten am Dienstag ein entsprechendes Schreiben der Rebellenorganisation Nationales Befreiungsheer (ELN) an den mexikanischen Präsidenten Vicente Fox. Demnach erklärten die linksgerichteten Rebellen ihre Bereitschaft, «umgehend eine direkte Verbindung zur mexikanischen Regierung einzurichten». Der rechtsgerichtete kolumbianische Präsident Alvaro Uribe hatte die Guerilla bei einem Besuch in Mexiko am Sonntag zu einem Waffenstillstand und Verhandlungen unter Vermittlung Mexikos aufgefordert. Während des seit vier Jahrzehnten andauernden Konflikts in Kolumbien zwischen Armee, Guerilla und ultrarechten Paramilitärs starben mehr als 200.000 Menschen; 2,7 Millionen Menschen wurden vertrieben. Die ELN-Guerilla ist mit 4500 Kämpfern die zweitgrößte Rebellengruppe nach den Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC), die 17.000 Menschen unter Waffen haben.

01/06/04 : Chef der kolumbianischen Paramilitärs außer Landes gebracht - - Castaño war seit Mitte April verschwunden - Bogotá, 1. Juni (AFP) - Der Chef der kolumbianischen Paramilitärs,
Carlos Castaño, ist außer Landes gebracht worden. Wie die Nachrichtenagentur AFP am Montag (Ortszeit) aus diplomatischen und Regierungskreisen in Bogotá erfuhr, befand sich der 39-Jährige
möglicherweise auf dem Weg nach Israel oder sogar schon dort. Der Gründer der rechtsgerichteten Vereinigten Selbstverteidigungsgruppen Kolumbiens (AUC) war am 16. April im Norden des Landes auf mysteriöse Weise verschwunden. Nach übereinstimmenden Informationen, die AFP aus Diplomatenkreisen in Bogotá erhielt, wurde Castaño zunächst ins nördliche Nachbarland Panama gebracht. Demnach wurde er weiter nach Israel befördert, wo er sich möglicherweise bereits aufhält. Die USA hätten ihn zunächst mit einem Black-Hawk-Hubschrauber außer Landes gebracht und dann mit einer Militärtransportmaschine vom Typ Hercules C 130 weitergeflogen, hieß es. Ein Regierungssprecher in Bogotá wollte die Informationen weder bestätigen noch dementieren. Die US-Botschaft reagierte zunächst nicht auf die Bitte um eine Stellungnahme. Aus einer regierungsnahen Quelle in Bogotá erfuhr AFP, dass sich der Paramilitär-Führer bereits kurz nach seinem Verschwinden im Ausland befand. Nach dem mysteriösen Verschwinden des AUC-Chefs in San Pedro de Uraba bei Monteria, 725 Kilometer nordwestlich von Bogotá, war gerätselt worden, ob er getötet oder entführt wurde oder ob er möglicherweise mit den USA über seine Auslieferung verhandelte. Washington hatte am 24. April die Auslieferung Castaños wegen Drogenhandels beantragt. Nach Informationen von AFP war Castaño, der seit kurzem Vater einer geistig behinderten Tochter ist, kampfesmüde und wollte sich kurz vor seinem Verschwinden den USA stellen. Das vertraute er einem hochrangigen Regierungsvertreter an. Castaño hatte sich hinter die Ziele der Regierung gestellt, wegen Drogenhandels gesuchte Paramilitärs in die USA auszuliefern. Damit stellte er sich gegen ranghohe AUC-Mitglieder, denn das Geschäft mit Drogen ist für die Paramilitärs wie für die Guerilleros die wichtigste Einnahmequelle. Der frühere Militärchef der AUC, Rodrigo Franco, hatte Ende April gesagt, Castaño sei auf Befehl seines Bruders Vicente Castaño getötet worden. Franco wurde am Samstag tot aufgefunden. Er hatte sich 2002 mit der AUC-Führung überworfen und deren
Friedensgespräche mit der Regierung kritisiert. Castaño hatte 1994 die AUC gegründet, nachdem Guerilleros seinen Vater, drei Brüder und eine Schwester ermordet hatten. Ihren eigenständigen Kampf gegen die linksgerichteten Guerillagruppen Revolutionäre Streitkräften Kolumbiens (FARC) und Nationales Befreiungsheer (ELN) sahen die Paramilitärs seit dem Amtsantritt des rechtsgerichteten Präsidenten Alvaro Uribe im August 2002 zunehmend als sinnlos an, da Uribe einen harten Kurs gegenüber der Guerilla fährt. Ein am 13. Mai vereinbartes Abkommen zwischen der Regierung und der AUC-Führung sieht die Demobilisierung der Paramilitär-Milizen vor sowie deren Begrenzung auf ein 368 Quadratkilometer großes Gebiet im Norden Kolumbiens. Bis Ende 2005 sollen die 20.000 Kämpfer umfassenden Milizen aufgelöst werden. In dem seit 40 Jahren andauernden Bürgerkrieg in Kolumbien kamen bislang rund 200.000 Menschen ums Leben.

31/05/04 : Linke Rebellen entführen in Kolumbien 17 Reisende - Bogotá (dpa) - Linke Rebellen haben nach Angaben der kolumbianischen Behörden im Nordwesten des Landes bei zwei Überfällen insgesamt 17 Reisende entführt. Bis Montag seien zehn der Geiseln wieder frei gekommen, hieß es weiter. Es war die erste größere Entführungsaktion des «Nationalen Befreiungsheeres» (ELN) seit fast zwei Jahren. Fast zeitgleich hatte Präsident Alvaro Uribe sein Angebot für einen Waffenstillstand und Friedensgespräche mit dem ELN erneuert. Die Guerilla hatte am Samstag in der verarmten Provinz Chocó im Nordwesten des Landes zwei Reisebusse gestoppt und die beiden Fahrer sowie die Passagiere in den Busch verschleppt. Das Militär nahm nach eigenen Angaben die Verfolgung der Entführer auf, die deshalb die ersten zehn Geiseln frei gelassen hätten. Das ELN ist mit etwa 4500 Männern und Frauen unter Waffen die zweitgrößte Guerillagruppe des Landes und für spektakuläre Entführungsaktionen berüchtigt. Lösegelderpressung ist eine der wichtigsten Einnahmequellen illegaler bewaffneter Gruppen in Kolumbien. Im Dezember 2002 hatte das ELN Gespräche abgebrochen, weil die Regierung Uribe nicht wirklich am Frieden interessiert sei.

31/05/04: Unbekannte erschießen Ex-Militärchef kolumbianischer Paramilitärs - Bogotá, 31. Mai (AFP) - Unbekannte Täter haben in Kolumbien einen früheren Militärchef der ultrarechten Paramilitärs erschossen. Wie die Polizei am Sonntag mitteilte, wurde der 39-jährige Rodrigo Franco (alias Comandante Doble Cero) am Freitag während eines Spaziergangs in der Stadt Santa Marta an der Karibikküste getötet. Der frühere Armeeleutnant, gegen den wegen Menschenrechtsverletzunghen ermittelt wurde, galt als Mitbegründer der paramilitärischen Vereinigten Selbstverteidigungskräfte (AUC), mit denen er sich im Jahr 2002 überwarf und deren Friedensgespräche mit der Regierung er scharf kritisierte. Seitdem hatte ihm die AUC-Führung den Krieg erklärt.

29/05/04: Journalist in Kolumbien ermordet - Bogotá (dpa) - In Kolumbien ist erneut ein Journalist ermordet worden. Paul Márquez (38) habe gerade mit seinen Eltern zu Hause in San Andrés de Sotavento vor dem Fernseher gesessen, als er von einem Unbekannten Eindringling mit mehreren Schüssen getötet worden sei, teilten die Behörden am Samstag mit. Wie in Kolumbien üblich
bekannte sich niemand zu der Tat vom Freitag. Márquez war Pressesprecher des Bürgermeisters der Stadt in der Provinz Córdoba im Norden des Landes und Reporter für mehrere örtliche Zeitungen.
Mit dem neuen Mord stieg die Zahl der in Kolumbien seit Jahresbeginn umgebrachten Journalisten auf fünf. Das von einem 40-jährigen Bürgerkrieg heimgesuchte Land gilt als eines der gefährlichsten Einsatzgebiete für Journalisten weltweit.

27/05/04: ai: Rechte von Menschenrechtlern in Lateinamerika schützen- Brüssel (KNA) Die irische EU-Präsidentschaft soll sich nach einer Forderung von amnesty international (ai) beim
EU-Lateinamerikagipfel am Freitag und Samstag in Mexiko für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzen. Besonders bei den Regierungen von Kolumbien und Mexiko müsse der Schutz von lokalen Menschenrechtsaktivisten angemahnt werden, sagte der EU-Büroleiter von amnesty, Dick Oosting, am Donnerstag in Brüssel. Es sei «ironisch», dass der «soziale Zusammenhalt» einer der
Hauptpunkte der Gipfel-Tagesordnung darstelle. Gerade in dem mittelamerikanischen Gastgeberland werde das Justizsystem missbraucht, um Verteidiger der Menschenrechte zu gängeln. Zwei
Führer der indigenen Bevölkerung Mexikos saßen laut ai auf Grund erfundenen Beweismaterials über ein Jahr im Gefängnis. Kolumbien bezeichnete ai als eines der «gefährlichsten Länder» für Menschenrechtsaktivisten. Die EU müsse deswegen bei dem Gipfeltreffen für den Schutz von Aktivisten und den rechtstaatlichen Umgang mit Menschenrechtlern eintreten, erklärte Oosting.

26/05/04: Das aktuelle Stichwort: Gewalt in Kolumbien - Porto Alegre (epd). Seit 40 Jahren wütet in Kolumbien ein blutiger Konflikt zwischen linken Guerillagruppen, der Armee und rechtsextremen Paramilitärs. Die Vereinten Nationen sprechen von der derzeit «größten humanitären Krise in der westlichen Hemisphäre». Kolumbien hat die höchste Mordrate der westlichen Welt. Rund drei
Millionen Menschen sind im eigenen Land auf der Flucht. Mehr als 60 Prozent der Kolumbianer müssen mit weniger als zwei Dollar am Tag auskommen, die staatlichen Sozialausgaben sinken kontinuierlich. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation amnesty international leidet vor allem die Zivilbevölkerung unter dem bewaffneten Konflikt. Im vergangenen Jahr wurden den Angaben zufolge mehr als 3.000 Zivilisten aus politischen Gründen getötet, 600 «verschwanden». 2.200 Menschen wurden entführt, davon mehr als die Hälfte von den linken Guerillagruppen «Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens» (FARC) und «Nationales Befreiungsheer» (ELN) sowie von rechtsextremen
Paramilitärs. Im vergangenen Jahr erhielt Kolumbien von der US-Regierung rund 605 Millionen Dollar als Militär- und Polizeihilfe. Das Geld ist für den Kampf gegen Terrorismus und Drogenhandel bestimmt. Das Drogengeschäft mit seinen großen Gewinnspannen bleibt die wichtigste Einnahmequelle für die bewaffneten Gruppen.

26/05/04: Ins Abseits manövriert - Nach 40 Jahren Konflikt ist Kolumbiens Guerillagruppe FARC isolierter denn je - Von Gerhard Dilger (epd) Porto Alegre (epd). Alltag in Kolumbien: Bei drei
Sprengstoffanschlägen in der Provinz Antioquia kamen am vergangenen Wochenende 14 Menschen ums Leben, fast 100 wurden verletzt. Verantwortlich machen die Behörden die «Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens» (FARC), die auf diese Art und Weise ihren 40. Geburtstag «feiern» wollten. «Wir werden die Terroristen in allen Winkeln Kolumbiens schlagen, in den Straßen unserer Städte, auf den Landstraßen unseres Vaterlandes, im Urwald, wo sie ihr strategisches Rückzugsgebiet haben», verkündete Präsident Álvaro Uribe nach der jüngsten Attentatsserie. Unterdessen bläst in Südkolumbien die Armee unter dem Motto «Patriotischer Plan» zur Offensive gegen die linken FARC-Kämpfer.
Chefkommandant der rund 17.000 gut trainierten und ausgerüsteten Rebellen ist der 74-jährige Manuel Marulanda, genannt «Tirofijo» (Sicherer Schuss). Der Bauernsohn aus der Kaffeeprovinz Quindío griff bereits 1949 zu den Waffen - als Freischärler, der sich im damaligen Bürgerkrieg gegen konservative Großbauern zur Wehr setzte. Zu ihrer Geburtsstunde haben die Guerilleros eine folgenschwere Episode im Mai 1964 erklärt: Unterstützt von US-Beratern, fielen 16.000 Soldaten zu Lande und aus der Luft in ein enges Tal in den Zentralanden ein, wo ein paar Dutzend Bauern das Land im Kollektiv bestellt hatten. Zusammen mit gut 40 Gesinnungsgenossen entkam Marulanda der Armeeoffensive und bildete die ersten mobilen Guerillaeinheiten, die sich 1966 in «Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens» umbenannten. Lange Jahre überlebte die FARC, indem sie Kleinbauern in abgelegenen Gebieten im Widerstand gegen Großgrundbesitzer half. In den achtziger Jahren führte sie erste Friedensgespräche und wollte mit der Linkspartei «Patriotische Union» (UP) einen politische Bewegung aufbauen. Doch daraus wurde nichts: Armee und rechtsextreme
Todesschwadronen ermordeten über 3000 UP-Aktivisten. Daraufhin bauten «Tirofijo» und seine Leute ein schlagkräftiges «Volksheer» auf. Die dafür erforderlichen Mittel holten sie sich durch Entführungen, die Erpressung von Schutzgeldern und die «Besteuerung» des florierenden Drogenhandels - allein letzteres soll ihnen 300 Millionen Dollar im Jahr einbringen. Nicht nur der frühere Außenminister Rodrigo Pardo macht vor allem «Tirofijo» für das Scheitern der letzten Friedensgespräche 2002 verantwortlich. Nie hatte der misstrauische Kommandant ernsthaft erwogen, die Waffen niederzulegen. Präsident Uribe verdankt sein Amt nicht zuletzt dem Versprechen, mit «harten Hand» gegen die Rebellen vorzugehen. Nun spielt die FARC auf Zeit: Sie habe einen «geordneten Rückzug» angetreten, glaubt Militärexperte Alfredo Rangel, ihr militärischer
Apparat sei jedoch intakt. Sie setze auf einen Verschleiß der Regierung und einen Rückgang der US-Militärhilfe. Ihr größtes Anliegen bleibt der Austausch von gut 70 Polizisten, Soldaten und Politikern gegen 400 inhaftierte Guerilla-Kämpfer. Darüber hinaus hält sie noch weitere 900 Entführungsopfer gefangen. «Die Guerilla hat tiefe Wurzeln in der kolumbianischen Gesellschaft, sie ist auch Ausdruck von sozialer Ungleichheit und Armut auf dem Lande», sagt der Soziologe Eduardo Pizarro. Sie als «Terroristen» abzustempeln, sei auch im Hinblick auf künftige Verhandlungen unklug. Dass es früher oder später dazu kommen wird, ist allen Kolumbianern klar. Damit das Blutvergießen abgekürzt wird, müsste es zu einer entsprechenden politischen Initiative kommen. Aber von Präsident Uribe ist die nicht zu erwarten - und von der FARC erst recht nicht.

25/05/04: «Brot für die Welt» in Sorge um Menschenrechtler in Kolumbien  - Stuttgart (epd). Die evangelische Hilfsaktion «Brot für die Welt» hat sich besorgt über die prekäre Sicherheitslage von
Menschenrechtsanwälten in Kolumbien geäußert. «Mitglieder von Menschenrechtsorganisationen werden von der kolumbianischen Regierung als Terroristen diffamiert», erklärte Direktorin Cornelia
Füllkrug-Weitzel am Dienstag in Stuttgart. Solche Anschuldigungen seien lebensbedrohlich. Zur Unterstützung bedrohter Partner hat «Brot für die Welt» ein «Sonderprogramm Kolumbien» gestartet, an dem sich Einzelpersonen oder Gruppen in Deutschland beteiligen können. Ziel ist etwa, Protestschreiben zu verfassen. Zu den bekanntesten Menschenrechtlern Kolumbiens gehören den Angaben zufolge die Mitglieder des Anwaltsbüros José Alvear Restrepo, das von «Brot für die Welt» unterstützt wird. Vorstandsmitglied Reynaldo Villalba, der in Deutschland erwartet wird, stehe auf mehreren Todeslisten des Geheimdienstes und der rechtsextremen paramilitärischen Milizen, erklärte das evangelische Hilfswerk. Das Anwaltsbüro berate Opfer von Menschenrechtsverletzungen und deren Angehörige. Dabei gehe es um politische Morde, Fälle von Verschwindenlassen und Folter. Informationen im Internet: www.Brot-fuer-die-welt.de

25/05/04: Seit 40 Jahren bomben die FARC für ein kommunistisches Kolumbien  Von Jan-Uwe Ronneburger, dpa - Bogotá (dpa) - Kolumbien steht ein Jubiläum ins Haus, bei dem es
nichts zu feiern und viel zu trauern gibt. Am 27. Mai jährt sich zum 40. Mal die Vertreibung eines Haufens spärlich bewaffneter Bauernmilizionäre aus dem entlegenen Landkreis Marquetalia
südwestlich der Hauptstadt Bogotá durch das Militär. Der inzwischen legendäre Rebellenführer Manuel Marulanda floh damals mit seinen Leuten in die Berge. Seither bombt «Tiro Fijo» («Blattschuss») mit seinen erst später so getauften «Revolutionären Streitkräften
Kolumbiens» (FARC) für ein kommunistisches Kolumbien. Mit einer Welle von Bombenanschlägen und Angriffen auf Dörfer mit Dutzenden Toten wollen die FARC an ihren «Geburtstag» erinnern, sind sich die Behörden sicher. Die Bilanz von 40 Jahren könnte dabei kaum verheerender sein, sowohl für die Guerilla wie für den Staat. Schätzungsweise bis zu 250 000 Tote, Millionen Vertriebene sowie Unterentwicklung und Kokain im Überfluss. Und obwohl die FARC inzwischen 17 000 Männer und Frauen unter Waffen halten, ist das Land vom Kommunismus so weit entfernt wie vom Frieden.
«Hier wird ein Krieg um seiner selbst willen geführt», sagt der Direktor des Büros des UN-Hochkommissars für Menschenrechte in Bogotá, Michael Frühling. Armut gebe es auch in anderen Teilen der Welt, ohne dass dort Krieg geführt werde. Der Staat hat es ab und an mit Zuckerbrot versucht, aber immer schnell wieder auf die Peitsche gesetzt - Repression statt sozialer Reformen. Und die illegalen rechten Paramilitärs überzogen das Land im Namen des Krieges gegen die Rebellen mit weiterem Terror. Der über 70-jährige Marulanda - sein genaues Alter ist unbekannt - aber glaubt noch immer an den Sieg. «Eines Tages wird das siegreiche Volksheer in Bogotá einziehen», ist sich der FARC- Vertraute Luis Alvarez (Name geändert) im Gespräch mit dpa sicher. «40 Jahre Kampf haben uns nur immer stärker gemacht.» «Militärisch haben wir in Marquetalia keine Fehler gemacht», verteidigt sich der damalige Militär-Kommandeur und jetzige General im Ruhestand, Guillermo Tovar. «Aber Rebellen sind nicht zu besiegen, wenn man nicht die Zivilbevölkerung auf seine Seite zieht», fügt er hinzu. Und dafür hätte es nach seiner Ansicht sozialer Investitionen und Reformen bedurft. Auf die oft beschworene Unterstützung der «Volksmassen» sind die FARC kaum noch angewiesen. Das Geld für Sold und Waffen besorgen sie sich durch Schutz- und Lösegelderpressung sowie aus dem Drogenhandel. «Bei den Drogen respektieren wir den Markt. Die Bauern haben keine Alternative, und wir erheben hohe Steuern auf die Händler», sagt FARC-Vertreter Alvarez.
Die Plage der etwa 3000 Entführungen pro Jahr, der Drogenhandel und grausame Übergriffe auf Zivilisten haben die FARC jedoch einen großen Teil ihres Ansehens in der Bevölkerung gekostet. «In den 80er Jahren war Marulanda eine respektierte Figur, aber heute ist er weitgehend isoliert», sagt sein Biograf Arturo Alapa. «Die öffentliche Meinung ist den FARC nicht so wichtig», erwidert
Alvarez. Dann aber porträtiert er die Rebellen sogar als nette Öko- Truppe, weil sie gegen die Besprühung von Koka-Feldern mit Pflanzengiften seien. «Es darf gelacht werden», kommentiert ein
Journalist trocken. Für den konservativen Präsidenten Alvaro Uribe sind die Rebellen nichts als «Terroristen», die es militärisch mit allen Mitteln niederzukämpfen gilt. Frühling räumt ein, dass Kolumbien ein leidlich demokratischer Staat sei, der von illegalen bewaffneten Gruppen angegriffen wird. Aber er rät dringend zu Demokratie, Rechtsstaat und Respekt für die Menschenrechte. Und vor allem für Verhandlungen. Ein weiter Weg ...

25/05/04: Jahrestag der Hoffnungslosigkeit - Kolumbien kommt nach 40 Jahren Krieg weiter nicht zur Ruhe - Annäherung an FARC ebenso gescheitert wie Uribes «harte Hand"
Von Jacques Thomet und César Sabogal Bogotá, 25. Mai (AFP) - Grund zu feiern haben die Kolumbianer nicht, wenn sich am Donnerstag die Gründung der ältesten Guerillaorganisation Lateinamerikas zum 40. Mal jährt. Mit einer Serie von Anschlägen haben sich die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) in den vergangenen Tagen wieder in Erinnerung gebombt. Auch für ein Attentat auf eine voll besetzte Diskothek am Samstag mit sieben Toten machen die Behörden die linksgerichtete Guerillagruppe verantwortlich, die seit Mai 1964 gegen die Regierung kämpft. Ein Ende der Gewalt ist nicht in Sicht. Bislang schlugen alle Versuche fehl, der FARC das Handwerk zu legen - die Politik der harten Hand von Präsident Álvaro Uribe ebenso wie Zugeständnisse unter seinem Vorgänger Andrés Pastrana. Der Amtsantritt Uribes im August 2002 war zugleich eine neue Kampfansage an die FARC. Der 52-jährige Staatschef hatte die Präsidentschaftswahl vor zwei Jahren vor allem mit dem Versprechen gewonnen, er werde der Guerilla den Garaus machen und dem seit 40 Jahren tobenden Bürgerkrieg ein Ende setzen. Doch bislang hat der Staatschef mit dem Beinamen «mano dura» (harte Hand) seine Wähler enttäuscht. Militärische Härte und Milliarden-Dollar-Hilfen aus den USA im Rahmen des Anti-Drogen-Programms «Plan Colombia» halten die FARC nicht von Geiselnahmen und Kokainanbau zur Finanzierung ihres bewaffneten Kampfes ab. Sie hat derzeit rund 1600 Menschen in ihrer Gewalt, unter ihnen seit über zwei Jahren auch die Grünen-Politikerin Ingrid Betancourt. Ursprünglich kämpfte die bäuerlich geprägte FARC für eine Landreform in dem von krassen sozialen Unterschieden geprägten Land. Die Guerilla ging 1964 aus einem Zusammenschluss ländlicher Selbstverteidigungsgruppen hervor. Unter Führung der Kommunistischen Partei baute die FARC ihre militärische Schlagkraft immer weiter aus und hat als größte Guerillagruppe Kolumbiens heute 17.000 Mann unter Waffen. Der inzwischen 70-jährige FARC-Gründer Manuel Marulanda alias «Tirofijo» (sicherer Schuss) führt die Guerilla nach wie vor straff. Ihren moralischen Anspruch hat die FARC schon lange auch im Volk verloren. Aus dem Kampf für soziale Reformen entwickelte sich ein Bürgerkrieg, in dessen Verlauf mehr als 200.000 Menschen starben und 2,7 Millionen Menschen vertrieben wurden. Ende der 90er Jahre sah es so aus, als könnte sich die Regierung mit der FARC auf eine Friedensvereinbarung verständigen. Der damalige Präsident Pastrana wies der Guerilla eine eigene Zone von der Größe der Schweiz im Süden des Landes zu, in der bis Anfang 2002 Friedensverhandlungen stattfanden. Die Guerilla nutzte das so genannte Friedenslabor allerdings zur Vorbereitung ihres Kampfes. Im Februar 2002 erklärte Pastrana die Friedensverhandlungen für gescheitert. Zugeständnisse an die FARC lehnt Uribe strikt ab. Stattdessen setzt der Hardliner auf einen militärischen Kurs gegen die Rebellen. Auf Vorwürfe, er trage mit seiner Politik zu einem systematischen Abbau des Rechtsstaats bei, entgegnet Uribe mit dem Hinweis, auf einen groben Klotz gehöre nun mal ein grober Keil. Unterstützung für diesen Kurs erhält der konservative Staatschef von der US-Regierung, die Uribes Rolle im «Kampf gegen den Terrorismus» tobt. Friedensbemühungen laufen derzeit ausschließlich mit den rechtsgerichteten Paramilitärs der Vereinigten Selbstverteidigungsgruppen (AUC). Die Regierung gestand der AUC
kürzlich eine eigene Zone im Norden des Landes zu, wo die Paramilitärs ihre Friedensbereitschaft unter Beweis stellen sollen. Nicht zuletzt seine klammheimliche Unterstützung für die AUC, deren
Todesschwadronen ebenfalls Angst und Schrecken verbreiten, disqualifiziert Uribe in den Augen der FARC als Verhandlungspartner. Aus Furcht vor neuen Anschlägen der FARC anlässlich des 40. Jahrestages von deren Gründung gilt in Kolumbien Sicherheitsstufe eins. Nach den jüngsten Attentaten und dem Fund umfangreicher Sprengstofflager wurden Armee und Polizei in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Dass sich mit noch so starker Armee- und Polizeipräsenz neue Gewalt nicht verhindern lässt, ist offenbar auch den Militärs klar. Anschläge könnten sich «jederzeit» wiederholen, sagte ein Armeevertreter.

24/05/04: Sieben Tote bei Bombenanschlag auf Diskothek in Kolumbien - Rund 90 Verletzte - Behörden machen FARC verantwortlich - Bogotá, 24. Mai (AFP) - Bei einem Bombenanschlag auf eine stark besuchte Diskothek sind in Kolumbien nach Angaben vom Montag mindestens sieben Menschen getötet worden. Zuvor war von fünf Toten die Rede gewesen. Rund neunzig Besucher wurden nach Behördenangaben verletzt, als unter einem Tisch in dem Club in Apartado in der Nacht zu Sonntag ein ferngezündeter Sprengsatz explodierte. 26 Verletzte lagen noch in Krankenhäusern. Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand. Die Behörden machten die Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC) für den Anschlag verantwortlich. Erst am vergangenen Donnerstag waren bei einer Bombenexplosion in der kolumbianischen Stadt Medellín vier Menschen getötet und 17 weitere verletzt worden. Rund 20 Menschen wurden in Kolumbien laut Behördenangaben am vergangenen Wochenende getötet; allein zwischen
Donnerstag- und Samstagabend wurden zwölf Tote und 110 Verletzte gezählt. Die Ermittler konzentrierten sich auf die Stadtmilizen der FARC, die mit schätzungsweise 17.000 Kämpfern die größte linksgerichtete Guerilla-Gruppe des Landes ist. Die Behörden schließen nicht aus, dass die Anschläge im Zusammenhang mit dem 40. Jahrestag der FARC-Gründung am 27. Mai 1964 stehen.

24/05/04: Mindestens 47 Tote in Kolumbien - 40. Jahrestag der FARC - Bogotá (dpa) - Bei Bombenanschlägen, einem Massaker und Kämpfen sind in Kolumbien in den letzten Tagen insgesamt 47 Menschen getötet und mehr als hundert verletzt worden. Rechtsextreme Paramilitärs hätten zudem im Nordosten des Landes ein Massaker unter Bauern angerichtet, berichtete die Zeitung «El Tiempo» am Montag. Die Behörden gingen davon aus, dass die Welle der Gewalt seit Freitag mit dem 40. Jahrestag des Beginns des bewaffneten Kampfes der marxistischen «Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens» (FARC) im Zusammenhang steht. Der schwerste Bombenanschlag ereignete sich in der Nacht zum Sonntag in der Stadt Apartado im Nordwesten des Landes. Bei der Explosion einer in einem Koffer versteckten Bombe in einem Lokal während der Übertragung eines Fußballspiels wurden 4 Menschen getötet. 3 der insgesamt 92 Verletzten seien später im Krankenhaus gestorben, teilten die Behörden mit. Der Bürgermeister des Ortes,
Fidel Banguero, beschuldigte die FARC der Tat. Nur kurz zuvor waren bei der Explosion einer Bombe in dem Ort San Carlos ebenfalls im Nordwesten 2 Menschen getötet und 12 verletzt worden. Bereits am Freitag waren bei schweren Kämpfen im Süden des Landes nach Angaben des Militärs 25 FARC-Rebellen und 2 Soldaten getötet worden. In der Provinz Arauca drangen nach diesen Informationen am Freitag etwa 100 Mitglieder der rechtsextremen «Einheiten zur Selbstverteidigung Kolumbiens» (AUC) in zwei Landgemeinden ein und verschleppten elf Bauern. Sie seien später mit Folterspuren tot gefunden worden, berichtete «El Tiempo» unter Berufung auf das Militär. In Arauca liefern sich die AUC einen erbitterten Kampf mit den FARC. Die FARC sind mit 17 000 Männern und Frauen unter Waffen die größte Rebellengruppe Kolumbiens. Sie bezeichnen einen Angriff der Streitkräfte Ende Mai 1964 auf Bauernmilizen unter dem Kommando des Rebellen Manuel Marulanda als den Beginn ihres Kampfes gegen den Staat. Marulanda ist auch heute noch Anführer der FARC. Der
konservative Präsident Alvaro Uribe versucht die Guerilla militärisch niederzukämpfen.

12/04/04: Kolumbiens Militär tötet versehentlich fünf Zivilisten - Bogotá (dpa) - Das kolumbianische Militär hat im Zentrum des Landes versehentlich fünf Zivilisten erschossen. Bei den Opfern handele es sich um zwei 17-Jährige und ihr sechsmonatiges Baby, einen 14-Jährigen sowie einen Erwachsenen, berichtete die Zeitung «El Tiempo» am Sonntag. Die Soldaten hätten die Landarbeiter in der Dunkelheit am Samstagabend mit linken Rebellen verwechselt, teilte das Militär mit. Als die Zivilisten auf den Zuruf «Halt, stehen bleiben» davongelaufen seien, hätten die Soldaten das Feuer eröffnet. Der Chef der Streitkräfte, General Carlos Ospina, räumte einen «Irrtum» des Militärs ein und drückte den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Der Bürgermeister der nahe gelegenen Stadt Cajamarca, Everardo Rodríguez, sagte, die Opfer seien so arm gewesen, dass die Stadt die Särge spenden werde. Erst im März hatte das Militär aus Versehen insgesamt 14 Menschen, darunter vier Zivilisten, sieben Polizisten und drei Soldaten, getötet.

11/04/04: Mindestens 24 Tote bei Kämpfen in Kolumbien - Bogotá (dpa) - Bei Kämpfen sind in Kolumbien über die Osterfeiertage mindestens 24 Menschen getötet worden. Es habe sich um
Gefechte von Soldaten mit rechten Paramilitärs und linken Rebellen zum Schutz von Millionen Oster-Ausflüglern gehandelt, berichtete die Zeitung «El Tiempo» am Sonntag unter Berufung auf die Streitkräfte. Militär und Polizei befanden sich im Alarmzustand, um Autokarawanen vor allem aus der Hauptstadt Bogotá an die See und in andere Urlaubsgebiete durch unsichere Gebiete zu eskortieren.
Im ganzen Land waren schätzungsweise etwa zehn Millionen Menschen unterwegs, die von mehr als 250 000 Polizisten und Militärs geschützt wurden. Dennoch sei es linken FARC-Rebellen gelungen, fünf Menschen zu entführen. Kolumbien leidet seit fast vier Jahrzehnten unter einem bürgerkriegsähnlichen Konflikt, bei dem linke Rebellen den Staat bekämpfen. Die rechten Paramilitärs machen den Rebellen die Vorherrschaft über wichtige Drogenanbaugebiete streitig und werden vom Staat mehr oder weniger entschieden bekämpft.

09/04/04: Mindestens elf Tote bei Kämpfen in Kolumbien - Bogotá (dpa) - Bei Kämpfen in Kolumbien sind zum Auftakt der Osterfeiertage mindestens elf Menschen getötet worden.
Sicherheitskräfte hätten sich Gefechte mit rechten Paramilitärs und linken Rebellen geliefert, teilten die Streitkräfte am Freitag mit. Militär und Polizei befanden sich im Alarmzustand, um Autokarawanen vor allem aus der Hauptstadt Bogotá an die See und in andere Urlaubsgebiete durch unsichere Gebiete zu eskortieren. Schätzungen zufolge wollten allein aus Bogotá 1,3 Millionen Menschen in etwa 400 000 Fahrzeugen in solchen Konvois in den Osterurlaub fahren. Kolumbien leidet seit fast vier Jahrzehnten unter einen bürgerkriegsähnlichen Konflikt, bei dem linke Rebellen den
Staat bekämpfen.

08/04/04: Deutschstämmiger auf seiner Farm in Ecuador entführt - Buenos Aires/Quito (dpa) - Ein Deutscher ist im Norden Ecuadors von Unbekannten entführt worden. Insgesamt sechs Männer mit
kolumbianischem Akzent hätten Emilio Mettler (62) auf seiner Farm im Grenzgebiet zu Kolumbien überfallen und verschleppt, berichtete die Zeitung «El Comercio» am Donnerstag. Polizei und Militär der Provinz Carchi hätten nach der Entführung am Dienstag eine Großfahndung nach den Tätern eingeleitet und auch die Polizei des Nachbarlandes um Hilfe gebeten. Mettler, der schon lange in Ecuador lebe, habe die Osterfeiertage auf seinem Landgut verbringen wollen. Kolumbien ist eines der Länder mit der höchsten Entführungsrate weltweit. Auch das Grenzgebiet in Ecuador ist betroffen. Oft werden die Opfer von den Entführern an andere Banden oder linke Rebellen «verkauft», die dann die Lösegelder erpressen. Viele Großgrundbesitzer in Carchi zahlten monatliche Schutzgelder, um von den Entführungskommandos verschont zu bleiben, schrieb die Zeitung.

03/04/04: Erneut Journalist in Kolumbien erschossen - Bogotá (dpa) - Erneut haben Unbekannte einen Journalisten in Kolumbien erschossen. Francisco Acevedo sei vor den Augen seiner Frau
und seiner beiden kleinen Kinder mit 15 Schüssen umgebracht worden, berichteten kolumbianische Medien am Samstag. Der 39-Jährige war Mitbegründer des örtlichen Radiosenders «Macondo Estéreo» und Pressesprecher der Stadt Aracataca im Norden des Landes. Aracataca in der Provinz Magdalena ist die Geburtsstadt des Nobelpreisträgers für Literatur Gabriel García Márquez («Hundert Jahre Einsamkeit»). Es war der zweite Mord an einem Journalisten in diesem Jahr in Kolumbien, das als eines der weltweit gefährlichsten Länder für Journalisten gilt. Linke Rebellen, rechte Paramilitärs und Drogenschmuggler verüben immer wieder Anschläge auf unbequeme Reporter. Nach Angaben der Interamerikanischen Medien-Vereinigung SIP wurden in Kolumbien während der vergangenen zehn Jahre 114 Journalisten umgebracht.

03/04/04: Kolumbien: Kirche fordert Waffenstillstand zur Karwoche - Rom (KNA) Die katholische Kirche Kolumbiens hat zu einem Waffenstillstand für die Kar- und Ostertage aufgerufen. Der
Präsident der Bischofskonferenz, Erzbischof Pedro Rubiano, forderte die illegalen bewaffneten Gruppen auf, für die Heilige Woche einen Verzicht auf kriegerische Aktionen zu erklären,meldet der Missionspressedienst Misna am Samstag in Rom. Ein solcher Schritt wäre «sehr wichtig und bedeutsam für einen Frieden im Land und für ein Ende der Gewalt», so der Erzbischof. Denn wenn es gelinge, einen Waffenstillstand für die Karwoche zu erklären, müsste er auch für das gesamte Jahr möglich sein. Somit könnte er den Weg zum Dialog ebnen und den Friedensprozess fördern.

02/04/04 : EU gibt 30 Millionen humanitäre Hilfe - Brüssel (KNA) Die EU-Kommission hat 30 Millionen Euro an humanitärer Hilfe für verschiedene Erdteile zur Verfügung gestellt. Jeweils acht Millionen Euro gehen an Kolumbien und Tadschikistan, wie die EU-Kommission am Freitag in Brüssel mitteilte. In Tadschikistan sollen nach Bürgerkrieg und Dürre Nahrungsmittel geliefert und die Wasser- und medizinische Versorgung verbessert werden. In Kolumbien soll die Hilfe Bürgerkriegsvertriebenen zu Gute kommen. Rund neun Millionen Euro stellt die EU-Kommission für die Fortsetzung des Flugdienstes in Afrika zur Verfügung. Der Flugdienst des EU-Büros für humanitäre Hilfe (ECHO) befördert Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und Hilfsgüter in Ost- und Zentralafrika. Weitere 5,5 Millionen Euro gehen zur Hilfe für Rückkehrer, Vertriebene und Flüchtlinge nach Sri Lanka.

02/04/04 : "Geld ist nicht alles, was zählt" - Ex-Kokabauern aus Kolumbien exportieren Kaffee nach Europa - Projekt steckt im Drogenland Kolumbien noch in Kinderschuhen Von Jacques Thomet - Bogotá, 2. April (AFP) - Kolumbien macht in der Regel eher mit traurigen Rekorden Schlagzeilen: Das südamerikanische Land ist der weltweit größte Hersteller von Kokain, es ist das Land mit den meisten Entführungen, und es ist seit Jahrzehnten durch einen erbarmungslosen Binnenkrieg und korrupte Beamte auf allen Ebenen gelähmt. Da ist die Nachricht umso erfreulicher, die jetzt aus dem gebeutelten südamerikanischen Land kommt: Kolumbien exportiert Kaffee nach Europa, der von ehemaligen Kokabauern angebaut wird. Die Exportmenge ist noch übersichtlich: Die Londoner Firma Wakefield will immerhin acht Container mit jeweils 17,5 Tonnen Bio-Rohkaffee einkaufen, das französische Unternehmen Andines nimmt dagegen zunächst nur 5000 Pfund-Päckchen Röstkaffee ab. Für die kolumbianische Kooperative Cosurca sind diese Verkäufe dennoch ein Riesenerfolg. «Das ist noch längst nicht das Ende dieser Geschichte, dies ist der Anfang eines neuen Wirtschaftsmodells für einen gerechten Handel auf internationaler Ebene», frohlockt Geschäftsführer René Ausecha, der die Handelsabschlüsse am Mittwoch in Bogotá bekannt gab. Rund 1200 Familien aus Popayán im Süden der Region Cauca haben sich dem von der UNO unterstützten Projekt angeschlossen. Mehr als 200 Hektar Koka-Felder wurden in dem Grenzgebiet zu Ecuador nach Angaben von Cosurca seit 1999 vernichtet und mit Kaffeepflanzen bestückt, die übrigens ohne Düngemittel gezogen werden. Doch die breite Masse der Bevölkerung konnte die Kooperative damit noch nicht erreichen. «Wir haben hier ständig mit sozialen Spannungen zu kämpfen», erläutert die Technische Leiterin, Luz Dari Menezes. Viele Koka-Bauern hielten die Idee, ihren Lebensunterhalt durch den Anbau von Kaffee zu verdienen, schlicht für «unmöglich», berichtet sie. Schließlich lässt sich mit Koka-Pflanzen viel Geld verdienen - viermal so viel wie etwa durch den Anbau von Gemüse. «Die Leute hier waren mit Sicherheit reich», berichtet Dari Menezes über diejenigen, die sich dennoch für den Ausstieg aus dem Drogengeschäft entschlossen haben. «Sie haben sich Autos gekauft, Motorräder und Waffen. Aber wir haben ihnen klar gemacht, dass Geld nicht alles ist, was zählt.»

30/03/04 : Flucht nach Hamburg - Stiftung für politisch Verfolgte unterstützt Kolumbianer in Not Von Oliver Spies (epd) - Hamburg (epd). Plötzlich steht ein neuer Name auf dem Klingenschild:
Humberto Londoño. Der Kolumbianer wohnt im fünften Stock eines Hamburger Wohnhauses in einer stilvoll eingerichteten Wohnung. Die gelben Post-it-Zettel fallen sofort auf. Überall im Raum kleben sie: «Stuhl», «Schrank» oder «Tisch» - der Deutschkurs grüßt. Der Zettel auf einem Bilderrahmen sticht heraus: «Mein Sohn» steht darauf, und darunter lacht ein fünfjähriger Lockenkopf. Humberto Londoño ist in Kolumbien politisch aktiv. Aber seit Juni 2003 lebt er in der Hansestadt. Die «Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte» hat ihn eingeladen, weil sein Leben in dem lateinamerikanischen Land in Gefahr war. «Mein Kopf muss ein paar Monate aus der Schusslinie», sagt Londoño, der in Jacke und Schaal die Wohnung zeigt. «Nichts hier gehört mir. Ich bin lediglich mit dem gekommen, was ich an hatte.» Die Wohnung gehört der Hamburger Stiftung. Sie diente schon vielen Menschen als Unterschlupf. Seit 1986 hat die vom ehemaligen Bürgermeister Klaus von Dohnanyi (SPD) gegründete Stiftung 54 Menschen aus 15 verschiedenen Ländern eingeladen. Heute ist Bürgermeister Ole von Beust (CDU) Vorsitzender. Private Spenden ermöglichen es der Stiftung, bis zu acht politisch Verfolgte pro Jahr in die Hansestadt einzuladen. Für Humberto Londoño ist die in Deutschland einzigartige Hilfsorganisation eine Chance, sich ohne Angst bewegen zu können. In Kolumbien war dies nicht mehr möglich. Wegen seines Engagements als Anwalt und Vorsitzender einer  Vertriebenenorganisation stand sein Name auf den Todeslisten radikaler Gruppen. In Kolumbien herrscht seit fast 40 Jahren Bürgerkrieg zwischen linken Guerillas, der Armee und rechten Paramilitärs. Sein Einsatz für Flüchtlinge und Vertriebene zwang Londoño ins Exil: «Flucht ist immer schrecklich, weil du alles zurücklassen musst. Das ist wie ein Sterben mitten im Leben», sagt er und blickt auf das Bild seines Sohnes. Doch der Menschenrechtler nutzt die Zeit in Hamburg: Er lernt Deutsch, lässt keine Gelegenheit aus, öffentlich von den Problemen seines Landes zu berichten und knüpft Kontakte zu anderen Organisationen. Erstes Ergebnis ist die Gründung der «Gruppe zur Unterstützung Vertriebener in Kolumbien» im September 2003 gewesen. Mit Unterstützung des Deutsch-Chilenischen-Kulturzentrums will der Verein auf die schwierige Menschenrechtslage in Kolumbien hinweisen. Humberto Londoño ist gerne an Alster und Elbe. Die Wege, die er täglich mit dem Fahrrad zurücklegt, sind ihm vertraut, und er weiß, wo es die beste Pizza im Viertel gibt. In zwei Monaten wird er wieder nach Kolumbien zurückkehren. Seine Hoffnung ist, dass man ihn dort vergessen hat und er seine Arbeit ungestört fortsetzen kann. Seine Wohnung in Hamburg wird nicht lange leer bleiben: Dann steht ein neuer Name auf dem Klingelbrett.

30/03/04: Romero-Tage in Hamburg: Exil-Kolumbianer berichtet - Hamburg (epd). Anlässlich der 17. Romero-Tage in Hamburg berichtet Humberto Londoño am Freitag, 2. April, über «Vertriebene in Kolumbien». Der Anwalt und Menschenrechtler ist seit Juni Gast der «Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte». Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr in der Bramfelder Laterne (Berner Chaussee 58),
teilten die Initiatoren am Dienstag mit. Die Romero-Tage gedenken der Ermordung des Erzbischofs Oscar Arnulfo Romero während einer Messe im März 1981 in El Salvador. Über 30 Organisationen und kirchliche Einrichtungen beteiligen sich noch bis zum 4. April an der Veranstaltungsreihe, die in diesem Jahr unter dem Motto «Das Gesicht der Solidarität» steht. Die Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte ist eine in Deutschland einzigartige Hilfsorganisation. 1986 auf Initiative von Klaus von Dohnanyi (SPD) gegründet, beherbergte die Stiftung seither 54 politisch Verfolgte. Vorsitzender ist heute Bürgermeister Ole von Beust (CDU).

21/03/04 : Ermittlungen in Kolumbien nach Tod von elf Menschen - Bogotá (dpa) - Die kolumbianische Staatsanwaltschaft hat am Sonntag Ermittlungen wegen der versehentlichen Erschießung von elf Menschen, darunter sieben Polizisten, durch das Militär aufgenommen. Eine Anti-Guerilla-Einheit der Streitkräfte hatte die Polizisten und deren Begleiter am Vortag in der Provinz Nariño im Südwesten des Landes mit Rebellen verwechselt und das Feuer eröffnet, teilte das Verteidigungsministerium weiter mit. Nach ersten Erkenntnissen habe es keine Funkverbindung zwischen den Polizisten und den Militärs gegeben, hieß es. Erst am Donnerstag vergangener Woche waren drei Soldaten ums Leben gekommen und zahlreiche andere verletzt worden, als sie von einer anderen Einheit beschossen wurden. Nariño an der Grenze zu Ecuador ist seit Monaten Schauplatz schwerer Kämpfe zwischen dem Militär und linken Rebellen.

18/03/04 : Geheimpolizei: Rebellenführer in Kolumbien gefasst  - «Der Muslim» soll Selbstmordattentäter rekrutiert haben - Bogotá, 18. März (AFP) - Die kolumbianische Polizei hat nach eigenen Angaben einen Mann festgenommen, der Jugendliche für Selbstmordanschläge linksgerichteter Rebellen gegen Staatspräsident Alvaro Uribe rekrutiert haben soll. Der Chef der Geheimpolizei DAS, Jorge Noguera, sagte am Mittwoch (Ortszeit), der 40-jährige Luis Hipólito Ospina Guzmán, genannt «der Moslem», sei ein Führungsmitglied Guerillaorganisation Revolutionäre Streitkräften Kolumbiens (FARC). Er sei 1986 zum Islam konvertiert und habe in der Nähe des zwischen 1998 und 2002 von der Guerilla kontrollierten Gebiets in der Größe der Schweiz Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 19 Jahren für die Anschläge ausgebildet. Laut Noguera waren auch Selbstmordattentate gegen Einrichtungen von Militär und Polizei geplant. Ospina Guzmán habe wegen seiner Sprachkenntnisse - unter anderem Englisch, Arabisch und Deutsch - auch als «FARC-Verbindungsmann zu anderen terroristischen Gruppen» gewirkt.

17/03/04 : Mehr als 150 kolumbianische Rebellen seit Mitte Februar getötet - Bogotá (dpa) - Bei Kämpfen mit linken Rebellen hat das kolumbianische Militär nach eigenen Angaben seit Mitte Februar
mindestens 157 Gegner getötet. Weitere 181 Guerilleros seien gefangen genommen worden, berichtet die Zeitung «El Tiempo» am Mittwoch unter Berufung auf die Streitkräfte. Im gleichen Zeitraum seien auch zehn rechte Paramilitärs erschossen worden. Auf Seiten des Militärs habe es bei den Gefechten in insgesamt zehn Provinzen zwölf Tote meist durch Minen gegeben.
Besonders umkämpft sei die Provinz Tolima im Zentrum des Landes. Dort befinde sich ein wichtiges Umschlagsgebiet der marxistischen «Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens» (FARC) für Drogen. Die FARC sind mit etwa 17 000 Frauen und Männern unter Waffen die größte Rebellengruppe des Landes und bekämpfen den Staat seit fast 40 Jahren.

16/03/04 : Streik bei Coca-Cola in Kolumbien - Buenos Aires (epd). In Kolumbien streiken Coca-Cola-Arbeiter in mehreren Städten gegen die Schließung von Abfüllfabriken und die Verfolgung von Gewerkschaftern. Die kolumbianische Tageszeitung «El Tiempo» berichtete am Dienstag in ihrer Online-Ausgabe, im vergangenen Jahr habe der Getränkekonzern in dem südamerikanischen Land bereits 14 Fabriken geschlossen und 500 Beschäftigte entlassen.
Die Kündigung von weiteren 97 Arbeitern sei geplant. Rund 30 Demonstranten traten nach Angaben der Gewerkschaft in Hungerstreik. Die Streikenden fordern auch umfassende Ermittlungen zum Schicksal von neun ermordeten Kollegen und zu Todesdrohungen gegen 67 Gewerkschafter. Dem Zeitungsbericht zufolge wurde auch ein Gewerkschaftsbüro in Brand gesteckt. Der Präsident der Lebensmittelgewerkschaft, Luis Javier Correra, machte ultrarechte Paramilitärs für die Morde und Drohungen verantwortlich. Die Gewerkschaft hat Coca-Cola vor einem Gericht in Florida (USA)
wegen Menschenrechtsverletzungen verklagt. Der Konzern bestreitet jegliche Zusammenarbeit mit illegalen Banden.

15/03/04 : Mindestens 18 Tote bei Kämpfen in Kolumbien - Bogotá (dpa) - Bei neuen Kämpfen zwischen kolumbianischen Streitkräften und linken Rebellen sind mindestens 18 Menschen getötet
worden. In der Provinz Tolima im Zentrum des Landes wurden nach Angaben des Militärs 16 Rebellen getötet. Die Luftwaffe habe ein Lager der marxistischen «Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens»
(FARC) bombardiert, berichtete der Radiosender RCN am Sonntag unter Berufung auf die Streitkräfte. Etwa 1500 Soldaten seien in Tolima im Einsatz gewesen und hätten 44 Rebellen gefangen genommen. Sechs Entführungsopfer der FARC hätten befreit werden können. In der Provinz Toribio im Südwesten des Landes erschossen FARC-Guerilleros nach offiziellen Angaben zwei Polizisten.
Die FARC bekämpfen den Staat seit fast 40 Jahren. Ein Ende der Gewalt ist nicht in Sicht.

11/03/04: Senator wirft kolumbianischen Paramilitärs Kannibalismus vor - Bogotá (dpa) - Der kolumbianische Senator Gerardo Jumi hat rechte Paramilitärs des Kannibalismus beschuldigt. Sie hätten in einem kleinen Ort der Region Sierra Nevada de Santa Marta im Norden des Landes zwei Mitglieder des Indio-Volkes der Arahuac umgebracht und teilweise aufgegessen, berichtete die Zeitung «El Tiempo» am Donnerstag unter Berufung auf den Politiker. Anschließend hätten die Mitglieder der extrem rechten «Einheiten zur Selbstverteidigung Kolumbiens» (AUC) gebratene Teile ihrer Opfer unter den ahnungslosen Bewohnern des Ortes verteilt. Indios leiden besonders unter dem bürgerkriegsähnlichen Konflikt in Kolumbien, weil sie meist abseits der relativ sicheren größeren Städte leben. Die AUC sind wegen ihrer meist grausamen Übergriffe auf die Zivilbevölkerung gefürchtet und stehen auf der Terrorliste der USA und der Europäischen Union (EU). Nach Angaben des Militärs starben während der vergangenen Tage bei Kämpfen in verschiedenen Landesteilen elf Paramilitärs und zehn Rebellen der marxistischen «Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens» (FARC). Die FARC bekämpfen den Staat bereits seit fast 40 Jahren.

10/03/04 : Kriegsberichterstattung: Presse-Institut beklagt «tödliche Kosten» - Wien (epd). Das Internationale Presse-Institut hat die «tödlichen Kosten» der Kriegsberichterstattung beklagt. 2003 sei eines der blutigsten Jahre für Kriegsreporter gewesen, erklärte das Institut am Mittwoch in Wien. Alleine im Irak seien während und nach dem Krieg 19 Journalisten getötet worden. Diese Erfahrung zeige, dass sich Medien mehr mit Sicherheitsfragen auseinander setzen müssten. Außer im Irak kamen den Angaben zufolge in 19 weiteren Ländern 45 Journalisten ums Leben. Die gefährlichste Region sei Asien gewesen, wo 19 Reporter getötet wurden. Sieben von ihnen auf den Philippinen und je drei in Nepal und Indien. In Südamerika starben den Angaben zufolge 17 Journalisten in Ausübung ihres Berufes, davon neun in Kolumbien. Das Land sei für Medienvertreter weiterhin eines der gefährlichsten der Welt. In Brasilien kamen vier Journalisten ums Leben. In Europa wurden laut dem Presse-Institut vier Journalisten getötet, drei in Russland und einer in der Ukraine. In zahlreichen Staaten der Region gebe es Auseinandersetzungen zwischen Medien und Regierungen. Zwei weitere Medienvertreter starben in Afrika, zwei im Nahen Osten. Ein Reporter kam den Angaben zufolge in Iran als Folge eines Verhörs ums Leben.

09/03/04 : Ingrid Betancourt nach Angaben ihrer Entführer gesund" - FARC: Wenig Hoffnung auf baldige Freilassung der Geiseln - Bogotá, 9. März (AFP) - Die seit zwei Jahren verschleppte
kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt ist nach Aussagen der Rebellenorganisation Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (FARC) nach wie vor bei «guter Gesundheit». Die FARC lehne aber das Angebot der französischen Regierung ab, Betancourt gegen inhaftierte kolumbianische Rebellen auszutauschen, sagte der Vize-Chef der Guerillagruppe, Raul Reyes, der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag bei einem Interview in den kolumbianischen Anden.
Nach Aussagen von Reyes, der als «Außenminister» der FARC gilt, besteht wenig Hoffnung auf eine baldige Freilassung der Grünen-Politikerin sowie der anderen Geiseln seiner Organisation,
zu denen neben 800 Zivilisten 20 weitere Politiker, drei US-Bürger sowie 47 Offiziere der kolumbianischen Armee gehören. Die Grünen-Politikerin Betancourt war am 23. Februar 2002 zusammen mit ihrer Wahlkampfmanagerin beim Versuch verschleppt worden, auf dem Landweg in das südkolumbianische Rebellengebiet zu gelangen. Mehr als 400 FARC-Rebellen sitzen in kolumbianischen Gefängnissen. Die Guerilla will sie über den Austausch von Geiseln freipressen. Die Entführung der französischstämmigen kolumbianischen Politikerin hatte in Frankreich große Anteilnahme ausgelöst. Paris hatte angeboten, im Falle eines Gefangenenaustausches freigelassene kolumbianische Rebellen aufzunehmen.

09/03/04 : FARC-Führungsmitglied Palmera bekennt sich vor Gericht zu Guerilla - Erste öffentliche Anhörung im Prozess wegen Entführung - Bogotá, 9. März (AFP) - Das Anfang Januar in Ecuador festgenommene FARC-Führungsmitglied Ricardo Palmera hat sich bei seiner ersten öffentlichen Anhörung vor Gericht zu der kolumbianischen Guerillagruppe bekannt. Er übernehme die Verantwortung für seine Verbindung zu den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC) als Akt der Rebellion gegen den Staat», sagte Palmera alias Simón Trinidad am Montag vor einem Gericht der nordkolumbianischen Stadt Valledupar. Palmera wurde per Videoschaltung aus dem Hochsicherheitsgefängnis von Cómbita, 120 Kilometer nördlich von Bogotá, zugeschaltet. Er muss sich vor dem Gericht wegen der Entführung des ehemaligen Bürgermeisters von Valledupar und dessen Bruder im März 1998 verantworten. Palmera war Anfang Januar in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito festgenommen worden, wo er sich wegen einer Krebserkrankung operieren lassen wollte. Seit dem 10. Januar sitzt er im Hochsicherheitsgefängnis von Cómbita ein. Dem ranghöchsten
FARC-Mitglied in kolumbianischer Haft werden unter anderem Mord, Entführung, Terrorismus und Rebellion vorgeworfen. Er gilt als die Nummer vier der FARC und als einer der Vordenker der 1964
gegründeten Guerillaorganisation. Trinidad war unter anderem an den 2002 gescheiterten Friedensverhandlungen unter der Regierung des damaligen Präsidenten Andrés Pastrana beteiligt.

09/03/04: Kolumbianischer Guerillaführer bekennt sich zu Rebellion - Gerichtsverfahren mit Video-Übertragung in die Zelle - Bogota (AP) Der bisher höchstrangige Guerillaführer in kolumbianischer Haft hat zu Beginn seines Prozesses den Anklagepunkt der Rebellion gestanden, die Vorwürfe von Mord und Entführung aber zurückgewiesen. `Ich übernehme die volle Verantwortung für meine Verbindung mit der FARC als Akt der Rebellion gegen den Staat", sagte am Montag Ricardo Palmera, der als Kommandeur bei den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC) Simon Trinidad genannt wurde. Palmera steht nicht persönlich vor Gericht, sondern ist über eine Video-Übertragung aus seiner Zelle zugeschaltet. Es ist das erste Mal, dass dieses Verfahren in der kolumbianischen Justiz zum Einsatz kommt. Die Behörden hatten das Risiko eines Transports vom Gefängnis Combita nördlich der Hauptstadt Bogota in die 700 Kilometer nördlich gelegene Stadt Valledupar als zu hoch eingeschätzt. Palmera wird beschuldigt, 1998 die Entführung des damaligen Bürgermeisters von Valledupar, Elias Ochoa Daza, und seines Bruders Eliecer angeordnet
zu haben. Die beiden Männer wurden nach Zahlung eines Lösegelds freigelassen. Außerdem geht es in dem Prozess um die Ermordung des entführten US-Geologen Frank Pescatore im Februar 1997. Palmera wurde im Januar dieses Jahres im Nachbarland Ecuador verhaftet. Er war Chefunterhändler der FARC bei Friedensgesprächen mit der Regierung, die im Februar 2002 abgebrochen wurden. Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) rief die Staaten in Mittel- und Südamerika am Montag dazu auf, ihre Grenzkontrollen zu verstärken, um illegale Waffenlieferungen an die kolumbianischen Guerilleros einzudämmen. Viele Waffen aus den inzwischen beigelegten Bürgerkriegen in Mittelamerika fielen in die Hände von Rebellen und paramilitärischen Gruppen in Kolumbien, sagte OAS-Generalsekretär Cesar Gaviria zur Eröffnung eines Kongresses über illegalen Waffenhandel in Bogota.

03/03/04 : Besprühung von Kokafeldern in Kolumbien um 84 Prozent gestiegen US-Regierungsbeamter: Entlaubungsflüge «immer gefährlicher» - Washington, 3. März (AFP) - Die Besprühung von Kokafeldern im Kampf gegen Drogenanbau in Kolumbien ist zu Jahresbeginn massiv verstärkt worden. Im Vergleich zum Vorjahr seien die Entlaubungsflüge im Januar und Februar um 84 Prozent gestiegen, sagte der für die Drogenbekämpfung zuständige US-Regierungsbeamte Robert Charles am Mittwoch vor dem Unterausschuss für Drogenbekämpfung des US-Repräsentantenhauses in Washington. Bis 29. Februar seien mehr als 29.000 Hektar Kokafelder zerstört worden. Charles räumte ein, dass die Entlaubungsflüge wegen der linksgerichteten Guerillagruppen, die sich zu einem großen Teil aus Drogengeldern finanzieren, «immer gefährlicher» würden. Er verwies auf den Abschuss eines Flugzeuges am 13. Februar vergangenen Jahres

durch die linksgerichtete Guerillaorganisation Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (FARC). Drei US-Bürger, die sich in dem Flugzeug befanden, wurden von der FARC verschleppt. Allein imvergangenen Jahr hätten die USA vier Flugzeuge in Kolumbien verloren, sagte Charles. Die Entlaubungsflüge im Rahmen des von den USA massiv unterstützten Anti-Drogenprogramms «Plan Colombia» sind äußerst umstritten, da die Felder mit Kokapflanzen aus der Luft mit hoch giftigen Substanzen besprüht werden und auch andere Pflanzungen zerstören. Koka ist der Rohstoff für die Herstellung von Kokain. Die Zerstörung der Kokafelder gehört zu den Prioritäten des rechtsgerichteten Staatspräsidenten Álvaro Uribe.

28/02/04 : Kolumbien überstellt mutmaßliche Drogenbosse an US-Justiz - Bogotá/New York, 28. Februar (AFP) - Die kolumbianischen Behörden haben sieben mutmaßliche Drogenbosse an die US-Justiz überstellt. Wie die Polizei in Bogotá am Freitag (Ortszeit) mitteilte, müssen sich die Beschuldigten wegen Rauschgifthandels und Geldwäsche verantworten. Einem der sieben Kolumbianer, Ramiro López Imitola, wirft die New Yorker Justiz vor, als Chef des in Kolumbien und Venezuela angesiedelten Drogennetzwerks «Organisation» seit 1997 mehr als zwei Tonnen Heroin im Wert von 200 Millionen Dollar (161 Millionen Euro) in die USA eingeschleust zu haben. Der Anklage zufolge schickte der im April 2003 in Kolumbien gefasste López Imitola monatlich bis zu 60 Drogenkuriere per Flugzeug in die USA, häufig in der Business Class. Im Falle seiner Verurteilung droht ihm lebenslange Haft.

27/02/04 UN-Gesandter prangert Journalistenmorde in Kolumbien an : Bogota (AP) Die Vereinten Nationen haben Kolumbien vorgeworfen, Morde gegen Journalisten nicht aggressiv genug aufzuklären. Ambeyi Ligabo, ein f}r Pressefreiheit zuständiger UN-Beamter, sagte am Freitag in Bogota, im vergangenen Jahr seien in dem südamerikanischen Land sieben Journalisten ermordet worden und in keinem einzigen Fall sei auch nur ein Verdächtiger festgenommen worden. `Der Kampf gegen Straflosigkeit sollte von höchster Priorität sein", sagte Ligabo. F}r die Medien in Kolumbien werde es zunehmend schwieriger, ihre Unabhängigkeit zu bewahren. Journalisten würden regelmäßig von Aufständischen, Drogenhändlern und korrupten Beamten bedroht. `All diese Faktoren führen nicht zu einer Atmosphäre f}r die Entwicklung von Meinungsfreiheit, die eine Voraussetzung für Demokratie ist." Alle Beteiligten im 40-jährigen Bürgerkrieg, einschließlich die Regierung von Präsident Alvaro Uribe, hätten Intoleranz gegen Andersdenkende gezeigt. Uribe hat beispielsweise Menschenrechtsgruppen und Nicht-Regierungsorganisationen, die sein Vorgehen gegen die linksgerichteten Rebellen kritisch begleiteten, als Feiglinge und Sympathisanten von Terroristen bezeichnet.

27/02/04 : Französische Geisel in Kolumbien nach fünf Wochen frei. Bogotá, 27. Februar (AFP) - Kolumbianische Paramilitärs haben einen französischen Studenten nach fünf Wochen aus ihrer Geiselhaft entlassen. Der 27-jährige Jurastudent aus Paris sei in der Provinz Magdalena rund tausend Kilometer nördlich von Bogotá dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) übergeben worden, teilte ein Diplomat am Freitag in der kolumbianischen Hauptstadt mit. Der Franzose sei bei «sehr guter Gesundheit». Einzelheiten über die Zeit der Geiselhaft bei den ultrarechten Vereinigten Selbstverteidigungskräften Kolumbiens (AUC) in der Sierra Nevada wurden zunächst nicht bekannt gegeben. Der Mann war am 15. Januar verschleppt worden. Ein weiterer 23-jähriger Franzose wird seit Anfang Januar vermisst, nachdem er von Brasilien in die südliche Amazonas-Region eingereist war. In Kolumbien sind Entführungen an der Tagesordnung. Seit zwei Jahren befindet sich die französisch-kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt in der Gewalt der linksgerichteten Guerillaorganisation Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (FARC).

25/02/04 ; Mindestens 15 Tote bei Kämpfen in Kolumbien - Bogotá (dpa) - Bei schweren Gefechten im Südwesten Kolumbiens sind mindestens elf Soldaten und vier linke Rebellen getötet worden. Die Soldaten hätten versucht, einen Überfall der Guerilleros auf den Ort Santa María in der Provinz Huila zu verhindern, sagte General Martín Carreño am Mittwoch. Die Soldaten seien von den Rebellen der marxistischen «Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens» (FARC) mit automatischen Waffen, Handgranaten sowie sprengstoffgefüllten Gasflaschen angegriffen worden. Bei den fünfstündigen Kämpfen wurden den Angaben zufolge vier weitere Soldaten verwundet. Die Rebellen hätten sich anschließend zurückgezogen, sagte Carreño.
Die FARC sind mit 17 000 Männern und Frauen unter Waffen die größte Rebellengruppe des Landes und bekämpfen den Staat seit bald 40 Jahren.

24/02/04 : Kolumbianische Autorin Restrepo erhält Alfaguara-Preis - Madrid (epd). Die kolumbianische Schriftstellerin Laura Restrepo (53) hat in Spanien den mit 138.000 Euro dotierten
Alfaguara-Literaturpreis gewonnen. Die Auszeichnung erhielt sie für ihren Roman «Delirio», der sich mit der Gewalt in ihrer Heimat befasst, berichtete die spanische Tageszeitung «El País» am Dienstag.
Der Jury-Vorsitzende, der portugiesische Nobelpreisträger José Saramago, würdigte besonders die sprachlichen Fähigkeiten der Autorin. Bei der Preisverleihung in Madrid kritisierte Restrepo das harte Vorgehen der kolumbianischen Regierung gegen die Guerilla-Bewegungen. Die Regierung «ertränkt den Demokratieprozess in Kolumbien in Blut», sagte sie. Die Journalistin und Autorin leitet seit kurzem das Kulturinstitut der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá. Auf Deutsch erschienen von Restrepo die Romane «Der Engel an meiner Seite» und «Die dunkle Braut».

24/02/04 : Kolumbien kauft gebrauchte Kampfpanzer von Spanien - Bogotá, 24. Februar (AFP) - Kolumbien hat von Spanien für sechs Millionen Dollar (4,8 Millionen Euro) gebrauchte Kampfpanzer
gekauft. Mit den «32 bis 46 Panzern vom Typ AMX-30» solle die kolumbianische Armee im Anti-Terror-Kampf gestärkt werden, sagte Verteidigungsminister Jorge Alberto Uribe am Montag in Bogotá. Die genaue Zahl der Panzer werde bis Jahresende feststehen. Die in den 70er Jahren hergestellten Panzer stammen überwiegend aus französischer Produktion; ihre deutschen Motoren wurden nach
Angaben von Diplomaten jedoch im spanischen Santa Barbara eingebaut. Die Wochenzeitung «Cambio» hatte zuvor berichtet, Spanien habe Kolumbien 40 AMX-30-Panzer für hundert Millionen
Dollar verkauft. Der spanische Ministerpräsident José Maria Aznar hatte während seines am Sonntag beendeten Kolumbien-Besuchs der Regierung in Bogotá Unterstützung bei ihrem Kampf gegen die linksgerichtete Guerilla zugesagt. Wie Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) gegenüber dem kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe während dessen Besuchs in Berlin am 13. Februar sprach sich auch Aznar dafür aus, das Nationale Befreiungsheer (ELN), die zweitgrößte Guerillaorganisation des Landes, auf die EU-Liste der Terrorgruppen zu setzen. Die mit etwa 17.000 Kämpfern größte Rebellenorganisation, die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC), steht bereits auf der Liste.

24/02/04 : Morddrohungen wegen Kritik an Kolumbiens Präsident Uribe - Mann von Entführungsopfer sieht Rechtsextreme am Werk - Bogotá, 24. Februar (AFP) - Der Mann der seit zwei Jahren von linksgerichteten Rebellen verschleppten kolumbianischen Politikerin Ingrid Betancourt hat eigenen Angaben zufolge wegen seiner Kritik an Präsident Alvaro Uribe anonyme Morddrohungen erhalten. Juan Carlos Lecompte sagte der Nachrichtenagentur AFP in Bogotá am Montag (Ortszeit), der anonyme Anrufer habe ihm gedroht, ihn «zum Schweigen» zu bringen, sollte er nicht den Mund halten. «Wenn Dir Uribe nicht gefällt, scher dich aus dem Land», sagte der Anrufer demnach weiter. Lecompte antwortete nach eigenen Angaben: «Mir gefällt Alvaro Uribe nicht, aber ich liebe Kolumbien.» Er werde solange nicht schweigen, bis seine Frau freikomme. Lecompte vermutet, dass rechtsextreme paramilitärische Gruppen hinter den Drohungen stecken.
Lecompte kritisierte in den vergangenen Tagen wiederholt, Uribes rechtsgerichtete Regierung unternehme nichts für die Freilassung von Betancourt und anderer Geiseln. Betancourt war als
Präsidentschaftskandidatin der Grünen am 23. Februar 2002 von der Guerillaorganisation Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (FARC) entführt worden. Die Guerilla fordert die Freilassung von rund 300 FARC-Gefangenen im Tausch gegen etwa 900 von ihr festgehaltene Geiseln. Uribe setzt dagegen darauf, die Guerilla militärisch zu schlagen.

23/02/04 : Bei Gefechten in Kolumbien 60 Menschen binnen 24 Stunden getötet - Links- und rechtsgerichtete Rebellen unter den Opfern - Bogotá, 23. Februar (AFP) - Bei einer Offensive der kolumbianischen Armee gegen linke Rebellen und rechte Paramilitärs sind nach Militärangaben binnen 24 Stunden mindestens 60 Menschen getötet worden. Allein bei einem Einsatz auf einer Landstraße nahe Villanueva im Nordosten des Landes seien 21 Paramilitärs und zehn Soldaten getötet worden, hieß es am Sonntag aus Militärkreisen. Ein weiteres Mitglied der rechtsgerichteten Paramilitärs sei in Apia im westlichen Verwaltungsgebiet Risaralda getötet worden. Die Armee beschlagnahmte nach eigenen Angaben 38 Sturmgewehre russischer Bauart, Maschinengewehre, Granaten, Landminen, Funkgeräte und Militäruniformen. Bei einem weiteren Vorfall in Llano Grande im Nordwesten seien 17 Mitglieder der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) getötet worden. Vier weitere FARC-Mitglieder seien bei Kämpfen
zwischen den Orten Vista Hermosa und Mesatas im Verwaltungsgebiet Meta ums Leben gekommen, teilten Militärangehörige weiter mit. Sieben Mitglieder der linksgerichteten Nationalen Befreiungsarmee (ELN) seien darüber hinaus im Nordwesten und Nordosten des Landes von der Armee erschossen worden. Die Regierung in Bogotá und rechte Paramilitärs hatten zwar im Juli vergangenen Jahres ein Abkommen geschlossen, dass 20.000 Paramilitärs bis Ende 2005 die Waffen abgeben sollen. Viele Splittergruppen boykottieren dieses Abkommen aber. Die FARC, mit rund 17.000 Kämpfern die größte Rebellenorganisation Kolumbiens, lehnt Verhandlungen mit der Regierung ab. Sie fordert die Freilassung von FARC-Gefangenen. Der rechtsgerichtete Präsident Alvaro Uribe hat der FARC bei seinem Amtsantritt 2002 den Kampf angesagt. In den Gefängnissen des Landes sitzten rund 300 Mitglieder der Organisation. Die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) halten rund 900 Menschen als Geiseln, unter ihnen die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt. Sie wurde vor genau zwei Jahren, am 23. Februar 2002, entführt. Im kolumbianischen Bürgerkrieg wurden in den vergangenen 40 Jahren schätzungsweise 200. 000 Menschen getötet.

22/02/04: Demonstration für Freilassung von Ingrid Betancourt - Paris (AP) Mehrere hundert Menschen haben am Sonntag in Paris für die Freilassung der von Guerilleros verschleppten Politikerin Ingrid Betancourt demonstriert. Die 18-jährige Tochter Melanie warf der kolumbianischen Regierung vor, die Freilassung ihrer Mutter nicht entschieden genug zu betreiben. Einige Demonstranten trugen Plakate mit der Forderung nach einem Waffenstillstand und Verhandlungen mit der kolumbianischen Guerillabewegung FARC. Am (morgigen) Montag jährt sich zum zweiten Mal der Tag, an dem Betancourt als Präsidentschaftskandidatin verschleppt worden war.

22/02/04 : Bei Gefechten in Kolumbien 48 Menschen binnen 24 Stunden getötet -Bogotá, 22. Februar (AFP) - Bei mehreren Angriffen der kolumbianischen Armee gegen linke Rebellen und rechte Paramilitärs sind nach Militärangaben binnen 24 Stunden 48 Menschen getötet worden. Bei einem Einsatz in Villanueva im Nordosten des Landes seien 21 Paramilitärs und sechs Soldaten getötet worden, hieß es am Sonntag aus Militärkreisen. In Llano Grande im Nordwesten seien 17 Mitglieder der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) getötet worden. Die Regierung in Bogotá und rechte Paramilitärs hatten zwar im Juli vergangenen Jahres ein Abkommen geschlossen, dass 20.000 Paramilitärs bis Ende 2005 die Waffen abgeben sollen. Viele Splittergruppen boykottieren dieses Abkommen aber. Die FARC, mit rund 17.000 Kämpfern die größte Rebellenorganisation Kolumbiens, lehnt Verhandlungen mit der Regierung ab. Sie fordert die
Freilassung von FARC-Gefangenen. Der rechtsgerichtete Präsident Alvaro Uribe hat der FARC bei seinem Amtsantritt 2002 den Kampf angesagt. In den Gefängnissen des Landes sitzten rund 300
Mitglieder der Organisation. Die FARC hält rund 900 Menschen als Geiseln, unter ihnen die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt. Sie wurde vor genau zwei Jahren, am 23. Februar 2002, entführt. Im kolumbianischen Bürgerkrieg wurden in den vergangenen 40 Jahren schätzungsweise 200.000 Menschen getötet.

22/02/04 : Roms Bürgermeister demonstriert in Bogotá für Freiheit Betancourts - Bogotá (dpa) - Der Bürgermeister Roms, Walter Veltroni, und hunderte weitere Menschen haben in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá für die Freilassung der früheren Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt aus der Geiselhaft linker Rebellen demonstriert. Zugleich forderten die Teilnehmer der Kundgebung am Samstag, dass die marxistischen «Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens» (FARC) auch alle anderen festgehaltenen Geiseln freigeben sollten. Die Entführung Betancourts im Süden des Landes jährt sich an diesem Montag zum zweiten Mal. Rom ist eine von mehr als 1000 Städten weltweit, die Betancourt zur Ehrenbürgerin erklärt haben. Die Bemühungen um einen Austausch der FARC-Geiseln gegen inhaftierte Rebellen treten seit Jahren auf der Stelle.

21/02/04: Spanien unterstützt Kolumbien im Kampf gegen Rebellen - Aznar will ELN auf EU-Terrorliste setzen - Cartagena (AP) Der spanische Ministerpräsident Jose Maria Aznar
unterstützt Kolumbien im Kampf gegen die Rebellen. Aznar sprach sich am Samstag während eines Besuchs in Cartagena dafür aus, die zweitgrößte Rebellenorganisation des Landes, die Nationale
Befreiungsarmee (ELN), auf die EU-Liste der Terrorgruppen zu setzen. Er werde seine europäischen Kollegen auffordern, entsprechende Schritte einzuleiten. Aznar erklärte, Spanien werde Kolumbien zwei Kampfflugzeuge zur Verfügung stellen. Außerdem sollten spanische Panzer die Hauptstraßen des Landes vor Terrorangriffen schützen. Vor einer Woche war der kolumbianische Präsident Alvaro Uribe von seiner Europareise zurückgekehrt, die in seiner Heimat als Fehlschlag bezeichnet wurde. Uribe wurde mehrfach wegen mutmaßlicher Menschenrechtsverstöße im Kampf gegen die Rebellen kritisiert. Der Präsident bekräftigte am Samstag, er werde keinesfalls mit bewaffneten Gruppen verhandeln, solange diese nicht eine vollständige Waffenruhe ausriefen. In der Hauptstadt Bogota forderten unterdessen hunderte Demonstranten die Freilassung der seit zwei Jahren verschleppten
Politikerin Ingrid Betancourt. Die Teilnehmer des Protestzugs zeigten eine Karte mit mehr als 1.000 Städten weltweit, die Betancourt die Ehrenbürgerschaft verliehen haben. Die Präsidentschaftskandidatin und ihr Wahlkampfmanager waren am 23. Februar 2002 von der größten Rebellenorganisation Kolumbiens, den Revolutionären Streitkräften (FARC), entführt worden.
Der Bürgermeister von Rom, Walter Veltroni, sowie einige Abgeordnete europäischer grüner Parteien, reisten extra für den Protestmarsch nach Kolumbien. Veltroni forderte Uribe auf, Verhandlungen über einen Gefangenenaustausch mit den Rebellen aufzunehmen. Nur so könne das Leiden Dutzender Entführter und ihrer Familien beendet werden, sagte er.

20/02/04 : Betancourt: «USA gegen humanitäre Lösung der Geiselfrage»Paris (dpa) - Die Schwester der in Kolumbien verschleppten grünen Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt, Astrid Betancourt, hat den USA vorgeworfen, eine humanitäre Lösung des schon zwei Jahre andauernden Geiseldramas zu verhindern. Die kolumbianische Regierung habe eine von der Kirche vermittelte Verständigung in letzter Minute platzen lassen, sagte Astrid Betancourt der Pariser Zeitung «France Soir» (Freitagausgabe). Ingrid Betancourt war am 23. Februar 2002 von linksgerichteten Rebellen der FARC (Revolutionäre Bewaffnete Kräfte Kolumbiens) verschleppt worden. Als letztes Lebenszeichen erhielt ihre Familie nach Angaben ihrer Tochter Melanie im September 2003 eine Kassette mit Videoaufnahmen vom Mai 2003. Präsident Alvaro Uribe fährt einen harten Kurs gegen die Entführer.
Über die Kirche hätten sich beide Seiten vor ein paar Tagen auf eine Verhandlungslösung geeinigt, sagte Astrid Betancourt. Uribe habe aber ein «doppeltes Spiel» gespielt und das Abkommen mit dem Argument platzen lassen, es würde seine Truppen demoralisieren.

19/02/04 : Weiterer Franzose in Kolumbien vermisst- Bogotá, 19. Februar (AFP) - In Kolumbien wird seit Januar ein weiterer Franzose vermisst. Von dem 27-jährigen Jura-Studenten gebe
es seit einem Aufenthalt in der nördlichen Bergregion Sierra Nevada Mitte Januar kein Lebenszeichen, verlautete am Mittwoch in Bogotá. Der Student war zu einem einjährigen Austauschprogramm an die
Universität Santa María del Rosario von Bogotá gekommen. Das letzte Lebenszeichen habe es am 15. Januar gegeben. Der französische Konsul in Bogotá, Noël Saez, bestätigte das Verschwinden des jungen Mannes. Die kolumbianischen Behörden hätten bereits eine Suchaktion eingeleitet. Ein weiterer 23-jähriger Franzose wird seit Anfang Januar vermisst, nachdem er von Brasilien in die südliche Amazonas-Region eingereist war.
In Kolumbien sind Entführungen vor allem durch linksgerichtete Guerillagruppen an der Tagesordnung. Die Guerilla will mit den Geiseln unter anderem Gefangene freipressen und ihren bewaffneten Kampf gegen Regierungstruppen und rechtsgerichtete Paramilitärs finanzieren. Seit zwei Jahren befindet sich die französisch-kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt in der Gewalt der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC).

16/02/04 : Kolumbien: Kampagne für Wiederwahl von Präsident Uribe gestartet - Buenos Aires (epd). In Kolumbien wollen Parteigänger von Präsident Álvaro Uribe eine Wiederwahl des Staatschefs ermöglichen, was die Verfassung bislang untersagt. Wie die Tageszeitung «El Tiempo» am Sonntag (Ortszeit) in ihrer Internetausgabe berichtete, starteten Uribe-Anhänger eine Unterschriftensammlung für ihr Ziel. In einer ersten Runde müssen 125.000 Unterschriften zusammenkommen, erklärte der Abgeordnete Armando Benedetti. Hat die Wahlbehörde die Namen geprüft und anerkannt, kann erst die eigentliche Unterschriftensammlung für das Volksbegehren beginnen. Die Freunde des Präsidenten müssen dann 1,2 Millionen Unterschriften vorlegen, damit der Kongress sich mit einer Verfassungsänderung befasst. Mehrere Abgeordnete haben bereits einen Entwurf vorgelegt, der dem Präsidenten eine zweite vierjährige Amtszeit ermöglichen soll.
Der unabhängige Liberale Uribe ist seit August 2002 im Amt. Er gilt als Präsident der harten Hand, weil er die linksgerichteten Guerillaorganisationen mit militärischer Stärke besiegen will.
Kritiker werfen ihm die Aushöhlung der Grundrechte und eine Nähe zu den rechtsextremen Paramilitärs vor. In Kolumbien herrscht seit bald 40 Jahren andauernden Bürgerkrieg