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Tägliche Nachrichten

30/04/03 : Seit 2002 im Amt, wird der kolumbianische Präsident Alvaro Uribe Washington zum zweiten Mal in seiner Amtszeit einen offiziellen Besuch abstatten. Seine Regierung ist Anschlägen von drei Terroristengruppen ausgesetzt, die sich alle auf der Terroristenliste der Vereinigten Staaten befinden. Alle drei Gruppen finanzieren eine großen Teil ihrer Operationen durch Drogenhandel.

Es bestehen ernsthafte Bedenken aufgrund der Menschenrechtsverletzungen während Uribes Amtszeit.

1. Es gibt weiterhin zahlreiche, glaubwürdige Berichte über gemeinsame Operationen der Armee und den Paramilitärs und den gegenseitigen Austausch von Informationen und Propaganda. Im Vergleich zu vergangenen Jahren meldet die Armee weitaus mehr Zusammenstöße mit den Paramilitärs mit mehr Festnahmen von verdächtigen Personen. Dennoch scheint diese Gruppe stärker und größer zu sein als bisher.

2. Im Letzten Jahr wurden 17 Morde an Menschenrechtlern gezählt, das schlimmste Jahr seit 1997. Größtenteils werden all diese Verbrechen nicht geahndet.  Eine Anstrengung der Regierung  ungelöste Verbrechen aufzuklären, hat bis heute noch keine Ergebnisse gebracht. Dagegen werden von Tag zu Tag immer mehr Menschenrechtsgruppen seitens kolumbianischer Diplomaten, hochrangiger Militäroffiziere und anderer Personen, die der Uribe Regierung nahe stehen, Verbindungen zu den Guerillas nachgesagt. Eine Taktik, um deren Arbeit herabzuwürdigen.

3.  Die rechtliche Verfolgung derer, die die Menschenrechte missachten, ist sichtlich weniger geworden, seit  Oberstaatsanwalt Luis Camilo Osorio Mitte 2001 sein Amt übernommen hat. Seine feindliche Einstellung, die er gegenüber Untersuchungen von Menschrechtsverletzungen zeigte, wurde deutlich in seiner Säuberungsaktion 2002. Diese Aktion war gegen Staatsanwälte und Kriminalbeamte gerichtet , die solche Fälle verfolgen wollten und die insbesondere die Paramilitärs betrafen.

4. Präsident Uribe ist dabei eine Million Informanten zu rekrutieren, die Informationen gegen Bezahlung liefern sollen. Außerdem hat er der Armee genehmigt, etwa 15.000 Bauern anzuheuern, damit diese in ihren Heimatorten zusammen mit regulären Truppen der Armee kämpfen. Beide Strategien werfen die ernste Frage auf, ob die Regierung überhaupt in der Lage ist zu versichern, dass diese rekrutierten Helfer nicht aus paramilitärischen Gruppen stammen. In einigen Gegenden arbeiten die Paramilitärs nämlich bereits mit Regierungstruppen zusammen und versuchen diese Zusammenarbeit zu legalisieren.

5. Die Angriffe der FARC auf Zivilpersonen eskalieren. Hunderte von Bürgermeistern und deren Beamte, Friedensaktivisten, religiöse, indigene Menschen, sowie Gewerkschaftsmitglieder sind davon betroffen. Am 16. Januar wurden z.B. 17 Zivilisten in San Carlos, Antioquia von der FARC umgebracht. Ex-Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt befindet sich seit Februar 2002 in der Gewalt der FARC, zusammen mit dem Gouverneur von Antioquia, dem früheren Gouverneur von Meta, ein früherer Verteidigungsminister, öffentliche Beamte und außerdem Hunderte von Kolumbianern die für Lösegeld entführt wurden.  Kinder sind von diesen Entführungen nicht ausgeschlossen.

6. HRW unterstützt die Uribe Regierung in Ihrer Anstrengung  die Guerillas zu demobilisieren und diesen Konflikt mit friedlichen  Mitteln zu beenden. Dennoch sollen die fundamentalen Rechtsprinzipien, und die Verantwortung gegenüber Menschenrechtsverbrechen respektiert werden. Guerillagruppen sollten nicht nur auf dem Papier demobilisiert werden.  Durch vorangegangene Amnestien wurde der Konflikt eher noch verschlimmert und resultierte in eine größere Zahl von getöteten Zivilisten und immer mehr barbarischen Methoden, ange

(Human Rights Watch : ).

21/04/03 : General Jorge Enrique Mora, Kommandeur der kolumbianischen Armee versprach den Kolumbianern ein sicheres Reisewochenende über Ostern und ermutigte sie zu verreisen. Zehntausende nahmen ihn beim Wort. Aber er konnte sein Versprechen nicht halten.

Der Bürgerkrieg in Kolumbien hat über Ostern 20 Menschen das Leben gekostet, weitere 15 Personen seien entführt worden, teilten die Behörden am Sonntag mit. Unbekannte Bewaffnete waren mit Schnellbooten auf einer Ferieninsel der Karibikküste gelandet und hatten acht Touristen verschleppt. In der Provinz Guajira entführten Rebellen der "Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens" (Farc) an einer Straßensperre sieben Urlauber.

Drei Personen, darunter ein Jugendlicher, starben bei einem Angriff von Farc-Rebellen auf eine Osterprozession. Bei Gefechten mit Farc-Einheiten und Bewaffneten des an Kuba orientierten "Nationalen Befreiungsheeres" (ELN) seien in der Provinz Antioquia im Nordwesten 14 Rebellen und zwei Soldaten getötet worden, hieß es weiter.

Die Versicherung der Armee, dass sie die kolumbianischen Bürger über die Osterfeiertage schützen könne, wurde von den 20.000 Rebellen wohl als Herausforderung angesehen. Sie antworteten mit Übergriffen im ganzen Land. Ihre Absicht ist den Kolumbianern zu zeigen, dass die Versprechen des „Hardliner-Präsidenten“ Alvaro Uribe, den Aufstand niederzuschlagen und Ordnung wieder herzustellen, nur Luftschlösser sind. Und so wollen sie auch die Regierung, die letztes Jahr im Februar die Dialoge abgebrochen hat, zwingen, sich wieder an den Verhandlungstisch zu setzen, allerdings zu den Bedingungen der Rebellen.

(BBC news : ) (yahoo : )  (El Tiempo :  ) (Frankfurter Rundschau : )

Alvaro Uribe20/04/03 : Präsident Uribe wiederholt seine Politik der harten Hand gegen die FARC und reagiert somit auf die Aufforderung katholischer Bischöfe, die Friedensgespräche so bald als möglich aufzunehmen.

„Man muss der Kirche mit allem Respekt zuhören, (...) es wäre wünschenswert, wenn Dialoge möglich wären, aber das wichtigste ist es die nötige Autorität auszuüben, die uns den Frieden und das Vertrauen in unser Land zurückgibt“, erklärte Uribe gegenüber dem privaten Radiosender RCN. Er ergänzte noch, dass er nicht nachgeben werde mit seinem Programm zur demokratischen Sicherheit.

„Wir können nicht einen einzigen Moment innehalten mit diesem Programm. (...) Wir müssen diese paar Banditen und brutalen Gruppen, die sich dieses Landes bemächtigt haben, besiegen, damit 43 Millionen Bürger wieder reisen können, Quellen des Wohlstandes ermöglicht werden und es wieder Arbeit für alle gibt“, sagte Uribe.

Die Erklärung des Präsident en kam einen Tag nachdem verschiedene katholische Prälaten in ihren Karfreitags- Predigten die Forderung nach einem Friedensdialog laut  werden ließen. Ihrer Meinung nach würde dieser Dialog die Gewalt beenden und die Freilassung von Hunderten Personen ermöglichen, die sich in der Gewalt der FARC befinden, unter ihnen die Ex-Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt. (El Colombiano ) (El Tiempo :  )

19/04/03 :  Mutmaßliche Rebellen haben am Freitag, während die Einwohner einer kleinen kolumbianischen Stadt sich zu einer religiösen Prozession versammelt hatten, in die Menge geschossen und dabei einen Soldaten und zwei Zivilisten getötet, darunter ein Junge von 14 Jahren, bestätigt der Bürgermeister der Stadt.

Am Donnerstag zuvor kam ein elfjähriger Junge in der Provinz Arauca ums Leben, als sein mit Sprengstoff präpariertes Fahrrad nahe eines Kontrollpunktes explodierte. Die Polizei schreibt dieses Attentat auf das Konto der FARC. Die kolumbianische Verteidigungsministerin, Marta Lucia Ramírez, erklärte dieses Verbrechen zu einem „barbarischen Akt“ der FARC.  (El Colombiano ) (El Tiempo :  )

19/04/03 :  Die Europäische Kommission widersetzt sich dem Ausräuchern unerlaubter Anbaugebiete in Kolumbien in Anbetracht der schädlichen Auswirkung auf Umwelt und Gesundheit von Personen und  Tieren. Sie hat die kolumbianischen Behörden aufgefordert, es nicht  in den Bereichen anzuwenden, die Gegenstand von alternativen Projekten sind.

Als Antwort auf eine schriftliche Anfrage des europäischen Abgeordneten Cappato Cadre, der "die zerstörende Auswirkung" dieser Maßnahme auf die Umwelt und die Gesundheit der Bevölkerung anprangerte, hat der EU-Kommissionsmitglied Chris Patten gewährleistet, dass die Exekutive der Gemeinschaft "das Ausräuchern der illegalen Kulturen aus der Luft nicht unterstützt".

Patten sagte, dass die Kommission "einen politischen Kompromiss" mit der kolumbianischen Regierung erreicht habe, in der diese sich verpflichtet, die Zonen auszuschließen, wo alternative Entwicklungsprojekte durchgeführt werden, oder  wo man das freiwillige Entfernen des illegalen Saatgutes vorsieht.

Der Kommissar erinnert daran, dass die Kommission dieses System des Ausräucherns "gänzlich verboten sehen möchte", oder wenigstens im Rahmen der EU “so weit wie möglich einschränken möchte“. Patten bezieht sich auf die Schäden, die das Ausräuchern mit Pestiziden aus der Luft auf die Gesundheit von Personen, Tieren und Umwelt haben kann, wie auch auf den sozioökonomischen Effekt durch Wasserverschmutzung, sowie durch Ausweitung auf Zonen, wo es keine illegalen Kulturen gibt.  (RCN :  ).

18/04/03 : Familienangehörige von Entführungsopfern der FARC reagierten mit Unruhe darauf, dass  Präsident Uribe eine militärische Offensive gegen die Guerilla ankündigte.

Fabiola Perdomo, Ehefrau eines der zwölf Abgeordneten aus der  Provinz Valle, in der Gewalt der FARC, beurteilt die Rede des Präsidenten als « herausfordernd, die keine Möglichkeiten für einen humanitären Austausch lässt.“ „ Außer nur Nein zu dem Vorschlag der FARC zu sagen, erwarten wir von der Regierung einen Gegenvorschlag. Auch möchten wir wissen, welche Lösung sie zum Thema des humanitären Abkommens vorschlagen.“

« Wir erwarten, dass Uribe den Familien, die die Rückkehr ihrer Angehörigen erhoffen, eine Antwort gibt“, unterstrich Frau Perdomo abschließend. (El Espectador :  ) (RCN :  )

18/04/03 :“Coca-Cola sollte seinen Einfluß für die Einhaltung von Menschenrechten in Kolumbien nutzen“ Das war nur eine von vielen Vorschlägen, die Aktionäre auf dem jährlichen Treffen in Atlante dem Vorstand machten.

Der wohl umstrittenste Vorschlag betraf Behauptungen, dass die Werksleiter einer Abfüllanlage in Barrancabermeja , Kolumbien paramilitärische Gruppen benutzt haben sollen, um acht Gewerkschaftsmitglieder einzuschüchtern und umzubringen.

William Mendoza, Gewerkschaftsführer des Werkes in Barrancabermeja, erklärte einer von den 65 Gewerkschaftsmitgliedern zu sein, die Morddrohungen erhalten haben. Er sagte, dass acht seiner Kollegen bereits von Banden umgebracht worden sind und dass einige Gewerkschaftsorganisationen glauben, dass Coca-Cola in diese Verbrechen verwickelt sind.  (Houston Chronicle : ). 

Nach unbestätigten Zeitungsberichten wurden in Kolumbien in den letzten 14 Jahren etwa 3800 Gewerkschafter ermordet (davon 9 im Januar/Februar 2003) und ist somit ein Land, wo gewerkschaftliche Freiheit  verspottet wird.

Alvaro Uribe à la base militaire de Villavicencio,17/04/03 : Es scheint, als ob Präsident  Uribe die Türen für ein humanitäres Abkommen geschlossen habe. Seine Rede vom Dienstag, in der er die Farc als Räuberbande bezeichnete,  wurde von den Medien als eine endgültige Absage an jedwede Annäherung mit den Aufständischen interpretiert.

„Obwohl es stimmt, dass die Forderungen der Guerilla übertrieben sind (u.a. eine neue entmilitarisierte Zone), sind wir der Meinung, dass die Haltung des Präsidenten die Möglichkeit einer baldigen Befreiung der Entführten unnötig aufs Spiel setzt“, sagte Eduardo Cifuentes, Bürgerbeauftragter, der Zeitung EL TIEMPO.

 „Er spricht wie ein kleiner Bush“, sagt Carlos Lozano, Direktor der kommunistischen Zeitung VOZ, „ Man hat den Eindruck, dass jede Möglichkeit eines humanitären Abkommens begraben ist, wenn es sie überhaupt gab. Damit sind auch die Friedensgespräche mit der momentanen Regierung, die den Krieg vor einer politischen Lösung des sozialen und bewaffneten Konfliktes vorzieht., gescheitert.“

Rechtsgerichtete Analysten, die ihre Identität nicht preisgeben wollten, sagten, dass es kein Zufall sei, dass Uribe seine Rede in dem Moment hielt, als die USA den Krieg im Irak gewonnen hatten. „Dass beweist, dass Uribe sich durch die Philosophie bestärkt fühlt, dass alles, was den Anschein nach Terrorismus hat, das gleiche Schicksal wie der Irak erleiden wird“, erklärte diese unbekannte Quelle.

Zu der Warnung des Präsidenten, dass die Armee auf  jeden Fall die Guerilla aufspüren werde, so dicht auch der Dschungel sei, äußerte sich der Bürgerbeauftragte,  „dass dies nicht auf  Kosten des Umsturzes, der Paramilitärs oder der Armee ausgetragen werden, sondern zum größten Teil auf Kosten der Zivilbevölkerung.“

„Trotz der Skepsis sollte man darauf bestehen, dass das humanitäre Abkommen unabhängig von einem Friedensprozess ist“, sagt Alvaro Villaraga, Präsident der Demokratischen Kulturstiftung, die sich mit dem humanitären Thema befasst hat. „Für ein humanitäres Abkommen ist keine sofortige Lösung abzusehen, aber im Friedensprozess sollten wir vorankommen.“ (El Tiempo : 

16/04/03 : Der Tod der weithin anerkannten kolumbianischen Journalistin Clara Inés Rueda, erschossen von einem Polizeioffizier in der vergangenen Woche, hat einen Streit über Gewalt-Anwendung seitens der Polizei ausgelöst.

Kolumbien ist für Journalisten, Redakteure und Pressefotografen einer der gefährlichsten Orte der Welt, da sie sowohl für linksgerichtete Rebellen als auch für extrem rechte paramilitärische Kräfte eine Zielscheibe darstellen. Mehr als 114 Journalisten wurden hier während der letzten 14 Jahre ermordet.

In Barrancabermeja wurde am 8. April 2003 der Journalist Juan Emeterio Rivas (45) ermordet. Er war Inhaber des Radiosenders „Calor Stereo“. Während der letzten Monate hatte er Morddrohungen von rechten paramilitärischen Gruppen bekommen. Rivas hatte die Stadtverwaltung unlängst beschuldigt, Verträge mit Personen geschlossen zu haben, die den Paramilitärs nahe stehen.

Der Tod von Rueda aber war anders. Sie wurde getötet, als ihr Freund, nach einem Abendessen mit Freunden, angeblich eine Straßensperre überfuhr. Der Polizist, der den Kontrollpunkt allein überwachte, eröffnete das Feuer, als das Auto die Fahrt nicht verlangsamte. In den vergangenen fünf Jahren starben nach einem Bericht der Zeitung „El Tiempo“ 16 Menschen unter ähnlichen Umständen  (Miami Herald : )  (yahoo : ).

15/04/03 : In einer auf der FARC-Webseite veröffentlichten Mitteilung erklärt der Farc-Kommandant Manuel Marulanda Velez, dass seine Organisation bereit sei, Verhandlungsführer zu benennen, um mit der Regierung über einen humanitären Austausch zu verhandeln. Dies ist demnach eine positive Antwort auf den offenen Brief der Familien der Entführten, einschließlich Ingrids Familie, der vor einigen Tagen veröffentlicht wurde.

Marulanda führt in seiner Erklärung vom 13. April fünf Punkte auf, die hier zusammengefasst wiedergegeben werden:

1. Er habe im März an die „Generäle der kolumbianischen Republik“ einen Brief geschrieben. Darin habe er die Aufnahme von Gesprächen vorgeschlagen.

2. Nach Medienberichten hätten sich einige Generale abfällig über dieses Gesprächsangebot geäußert und ihre Ablehnung mit  Beleidigungen gegen die FARC-Führung verknüpft. Ein Teil der Generäle verhalte sich aufgrund des Druckes so, den der Präsident ausübe. Ein anderer Teil profitiere vom Krieg.

3. Zugleich sei die FARC erfreut über andere gesellschaftliche und politische Stimmen, die sich positiv zur Möglichkeit neuer Gespräche geäußert hätten, so etwa die kolumbianische katholische Kirche. Auch „das Volk“  identifiziere sich mit dem Aufruf der FARC „andere Auswege als den Krieg“ zu suchen, um den „gravierenden und wachsenden politischen, ökonomischen, sozialen und bewaffneten Konflikt der Kolumbianer“ zu lösen.

4. Die Guerilla der FARC-EP erneuere vor den betroffenen „Familien, den Organisationen und den an einer humanitären Lösung interessierten Persönlichkeiten“ ihre „ungebrochene politische Bereitschaft“, so schnell wie möglich Gespräche mit offiziellen Regierungsvertreten zu führen. Ziel solle das Ende der „langen Gefangenschaft“ der Gefangenen „beider Seiten“ sein.

5. Die FARC sei bereit, ihre offiziellen Verhandlungsführer für den „Gefangenenaustausch“ zu benennen, sobald sich die Regierung in einer öffentlichen Presseerklärung  positiv zu den geforderten Garantien äußere, die die FARC in ihrer „Mitteilung vom 8. Februar“ gefordert habe  (Farc-ep.ch :  ).

In Beantwortung dieses letzten Punktes hat Präsident Uribe jede Möglichkeiten abgelehnt, zu einer Übereinkunft zu kommen  – da es sich in der Mitteilung der FARC hauptsächlich um die Forderung einer entmilitarisierten Zone handle, in der die Verhandlungen stattfinden sollten. „Wir werden in diesem Land keinen Millimeter mehr an entmilitarisierter Zone haben“, gab er mit Nachdruck in einer Rede auf einer Militärbasis bekannt. Uribe wiederholte zudem seine Forderung, die Vereinten Nationen sollten in den Verhandlungen vermitteln, was  von der FARC aber abgelehnt wird. (El Tiempo :  ) (Reuters : ) 

A Medellin, des familles de disparus...14/04/03 : In Kolumbien steigt, abgesehen von den Entführungen, die Zahl der Vermissten. 60% der Fälle werden den paramilitärischen Gruppen zugeschrieben. 

Im letzten Jahr wurden 241 Menschen in Medellin offiziell als vermisst gemeldet. Allerdings sind diese Statistiken nicht sehr vertrauenswürdig, da eine große Zahl von Vermissten gar nicht gemeldet wird. Ihre Familien geben die Hoffnung nicht auf, solange man keine Leichen gefunden hat. In dieser Lage befinden sich Hunderte von Familien, die nicht wissen, was ihren Angehörigen zugestoßen ist, außer dass sie von bewaffneten Männern abgeholt  und mitgenommen wurden, die sagten, es handele sich nicht um eine Entführung.

Die Zahl der wirklich Vermissten ist deswegen ohne Zweifel viel höher. „Die Menschen erstatten keine Anzeige, aus Angst das Leben Ihrer Angehörigen zu gefährden, aus Angst vor Repressalien oder aus purer Panik“, erklärt Yolima Quintero, Mitglied von Asfaddes, einer Vereinigung von Eltern der Inhaftierten und Verschwundenen. „In der letzten Zeit  ist die Zahl der Verschwundenen aufgrund der Verschlechterung der Situation im Land noch weiter angestiegen. Es gibt eine nationale Statistik nach der mehr als 5000 Menschen in den letzten fünf Jahren verschwunden sind. Man weiß, dass im Durchschnitt zwei Menschen pro Tag in Kolumbien verschwinden“, ergänzt Frau Quintero.

Gefährdet sind besonders die Verantwortlichen der Gemeindeverwaltungen,  Führer von Bürgerbewegungen, Universitätsstudenten, Regierungsgegner, politische Führer und Menschenrechtler sowie engagierte Menschen in stadtteilorientierten Organisationen. Anfügen kann man hier ebenfalls noch Personen, die als Zeugen in einem Gerichtsprozess verwickelt sind, oder eine militante Vergangenheit in einer bewaffneten Gruppe haben, die Vertriebenen, die Eltern von Aufrührern, oder Zeugen eines Deliktes  (El Colombiano ).

13/04/03 : Kongressabgeordnete bringen einen Gesetzesentwurf zu einem möglichen humanitären Austausch ein.

Der Vorschlag des Abgeordneten Buenaventura Leon könnte einem Abkommen mit den Guerillagruppen eine legale Basis geben und einen Kompromiss damit wahrscheinlicher machen. Auf der anderen Seite könnte dieser Entwurf eine Vereinbarung aber auch schwieriger machen, da er einige Punkte enthält, über die es bisher noch keine Einigung zwischen den Verhandlungspartnern gibt. „Das humanitäre Abkommen soll für alle Entführten gelten; es soll vom Roten Kreuz, der katholischen Kirche und einer Gruppe von befreundeten Länder begleitend überprüft werden; es darf nicht inhaftierte Guerillakämpfer betreffen, die verantwortlich sind für Verbrechen gegen die Menschheit, und der Austausch sollte in weniger als sechs Monaten vonstatten gehen.“ (El Espectador ).

manifestation a Cali pour un accord humanitaire12/04/03 : In Cali haben 1500 Personen an einem Marsch teilgenommen, um die Freiheit von zwölf Politikern zu fordern, die vor einem Jahr von der Farc entführt wurden. Die Demonstranten forderten die Regierung auf, sich endlich in Verhandlungen um eine humanitäre Lösung zu bemühen. Dem Marsch folgte eine Messe, die von Mgr Francesco Sarasti gelesen wurde  (El Pais )  (yahoo : ).

11/04/03 : Fünfzehn Personen aus dem Umfeld der entführten Politiker, unter ihnen die Mütter von Ingrid Betancourt und Clara Rojas, haben sich mit einem offenen Brief an Staatschef Alvaro Uribe Velez  und den FarcEp-Kommandanten Manuel Marulanda Velez gewandt. Sie verlangen den Abschluss eines humanitären Abkommens, das die Freilassung der Entführten ermöglicht. Einige der Gefangenen werden bereits seit mehr als sechs Jahren festgehalten. In dem Brief werden sechs Punkte genannt:

1. „ Wir begrüßen die Bereitschaft und den Willen beider Parteien, eine humanitäre Einigung zu erreichen, die der Gefangenhaltung der Entführten ein Ende bereitet.

2. „Wir begrüßen die Versuche zur Kontaktaufnahme. Dennoch möchten wir darauf hinweisen, dass bisher keine nennenswerten Fortschritte bei der Suche nach einer humanitären Lösung erzielt wurden.“

3. „Wir halten es für erforderlich, dass der von beiden Seiten so häufig bekundeten Verhandlungsbereitschaft nun auch Ergebnisse folgen, die auf den Menschenrechten basieren.“

4. „Wir halten es für erforderlich, dass die beiden Parteien direkte und persönliche Verhandlungen führen, um konkrete Ergebnisse zu erzielen. Daher fordern wir von beiden Seiten die Benennung von Verhandlungsführern, die mit entsprechenden Vollmachten ausgestattet sind.“

5. „Wir fordern, dass diese Verhandlungsführer, sobald sie bestellt sind, von der jeweils anderen Seite ohne jegliche Bedingung akzeptiert werden.“

6. „Sollten die anwesenden Parteien es für nötig erachten, könnte die humanitäre Lösung vom Ex-Präsidenten Alfonso Lopez Michelsen, einem Gesandten der Katholischen Kirche oder einem Repräsentanten der internationalen Gemeinschaft als Zeugen begleitet werden.“

(Las voces del secuestro ) (El Colombiano )  (El Espectador

10/04/03 : Morgen ist es ein Jahr ! Am Donnerstag, den 11 April 2002 drang eine Gruppe bewaffneter, uniformierter Männer in Cali (zweitgrößte Stadt Kolumbiens mit ca. Zwei Mio. Einwohnern) mitten im Zentrum in den Sitz der Versammlung der Provinz Valle ein und entführten 17 ortsansässige Abgeordnete und töteten einen Polizisten.

Die Farc Mitglieder, die sich so uniformiert als Soldaten ausgaben, ließen die Abgeordneten in ein Fahrzeug einsteigen und täuschten eine Evakuierung, aufgrund einer Attentatsdrohung vor. Wenig später gelang es der Armee in einem Vorort fünf Abgeordnete zu befreien.

Seitdem, sind die Familienangehörigen der zwölf Politiker, genau wie die Familie von Ingrid Betancourt ohne jede Neuigkeit. Die Farc wollen einen Austausch gegen inhaftierte Guerilla-Kämpfer, aber offensichtlich ist das wie immer ein „Dialog der Tauben“ zwischen der Guerilla und der Uribe-Regierung. (El Tiempo ).

09/04/03 : Zum dritten Mal in etwas mehr als einem Monat  stürzt ein Flugzeug amerikanischer Herkunft in Kolumbien ab. Die Behörden gaben bekannt, dass es Teil eines Anti-Drogen Programms war,  um Drogenanbaugebiete auszuräuchern. Zum Zeitpunkt des Absturzes war nicht klar, ob es sich um einen Unfall handelt oder ob das Flugzeug abgeschossen wurde. Der Pilot kam beim Absturz ums Leben.  (BBC News : ) (El Tiempo ).

08/04/03 : Innerhalb weniger Stunden kamen in Kolumbien zwei kolumbianische Journalisten ums Leben. Einer wurde von den Paramilitärs in Barrancabermeja ermordet, der andere wurde durch einen Schuss der Polizei tödlich verletzt.

In Barrancabermeja, war der Journalist  Juan Emeterio Rivas, 45, Inhaber der Radiostation Calor Stereo, in den letzten Monaten Ziel von Morddrohungen seitens einer extrem rechten paramilitärischen Gruppe,  Autodéfenses Unies de Colombie (AUC).  Er hatte die Stadtverwaltung unlängst beschuldigt Verträge mit den Paramilitärs nahestehenden Personen abgeschlossen zu haben. „Das war seine letzte Anschuldigung“, sagte Oberst Gil, Polizeikommandant dieses  Petroleumbinnenhafens , der angegeben hat, „die Verursacher und das Motiv des Verbrechens nicht zu kennen“...

Rueda Gomez, Journalistin der Zeitung  El Tiempo, verstarb nach einem von der Polizei abgegebenen Schuss, während  sie als Beifahrerin im Auto Ihres Verlobten Rodrigo Mora fuhr , der, wie die Polizei deklarierte « betrunken war und sich weigerte an der Straßensperre zu halten ».  (yahoo : )

08/04/03 : Die Spezialeinheiten der Polizei (Gaula) haben gestern Abend den kleinen Jungen Vytis Karanauskas befreit, der in der vergangenen Woche entführt worden war. Vier seiner Entführer wurden in einem Stadtteil von Bogota festgenommen. Das Kind befindet sich bei guter Gesundheit. Der Polizeidirektor gab bekannt, dass es sich bei den Entführern um normale Kriminelle handelt. Dennoch kann man noch nicht ausschließen, dass hinter Ihnen keine bewaffnete, illegale Organisation steht. Die Entführung wurde anfänglich der AUC (Grupos Autodefensas) zugeschrieben.  (El Tiempo (The Guardian : )  

07/04/03 : Tausende von  Menschen und viele Persönlichkeiten, unter Ihnen Yolanda Pulecio, Ingrids Mutter, haben an diesem Sonntag in verschiedenen kolumbianischen Städten an Protesten gegen die Kindesentführung teilgenommen

Bogotas Bürgermeister, Antanas Mockus, hatte zu dieser Demonstration aufgerufen. Donnerstag und Freitag protestierten Tausende mit weißen T-Shirts bekleidete Kinder, in Villavicencio und Restrepo, um die Freilassung des Kleinen dreijährigen Vitys Karanauskas, zu fordern, der  vor einer Woche von den Paramilitärs entführt wurde. Unter den Persönlichkeiten wurden unter anderem der Vize-Präsident Francisco Santos, die Ehefrau des Gouverneurs von Antioquia (Guillermo Gaviria, entführt vor fast einem Jahr) und Yolanda Pulecio, Ingrid Betancourt´s Mutter bemerkt.  (RCN Radio ) (El Espectador   )  (El Pais ) (Kron4.com ) (New Zealand Herald ) (Las voces del secuestro ).

secuestrado06/04/03 : Der Bürgermeister von Bogota, Antanas Mockus, organisiert am kommenden Sonntag einen Protestmarsch gegen die Kindesentführung.

Er hat diese Initiative nach der Entführung des dreijährigen Vitys Karanauskas, Sohn von Dr. Saule Karanauskas,  ergriffen, der am letzten Dienstag durch Paramilitärs verschleppt wurde (RCN Radio )  (yahoo : )

Jedes Jahr werden in Kolumbien zwischen 40 und 60 Kinder entführt.  


AlterFocus : info Ingrid Betancourt www.Betancourt.info