Rigoberta Menchu Tum, Friedensnobelpreisträgerin:


"Ein offener Brief für die Befreiung von Ingrid Betancourt und allen Entführten in Kolumbien"


Es sind zwei Jahre seit dem Verschwinden Ingrid Betancourts vergangen. Ihre Familie, Freunde und Sympathisanten fühlen seitdem eine große Leere in ihren Herzen und ihre Kinder erwarten jeden neuen Morgen, nur um Neuigkeiten ihrer Mutter zu erfahren. So geht es auch vielen anderen Menschen, die nur auf den Moment warten, um ihre Familien und Freunde wieder zu sehen. 

Jemanden seiner Freiheit zu berauben, der versucht hat zum Frieden, zum Recht und zur Demokratie eines Landes beizutragen kann man nur verurteilen. Es handelt sich hier um Bürger mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung, so wie jede andere Bürgerin oder jeder anderer Bürger in dieser Welt.
Diejenigen, die in den kolumbianischen Konflikt verwickelt sind, müssen begreifen, dass es nicht möglich ist eine politische Verhandlung zu etablieren, wenn man Geiseln wie eine Tauschwährung benutzt. Das menschliche Leben ist unbezahlbar und man kann damit nicht handeln.
Oft habe ich mich gefragt, wie viele Leben wir noch verlieren müssen, wie viel Blut muss noch vergossen werden...um einen stabilen und andauernden Frieden in Kolumbien zu erreichen. Deswegen appelliere ich an alle Parteien, von den militärischen Aktionen abzusehen und dem Dialog den Vorrang zu geben, denn er ist das beste Werkzeug um Beschlüsse herbeizuführen. Ich rufe zur Besinnung auf, denn das kolumbianische Volk verdient ein gerechtes und würdiges Leben.
Wir, die sich dem Frieden und der Gerechtigkeit verpflichtet haben, möchten diejenigen umarmen, die schon so lange von uns fort sind. Darum bitte ich um die Freilassung von Ingrid Betancourt und allen anderen Entführten in Kolumbien.
Lasst uns die Gewalt vermeiden, lasst den Dialog unser Zeichen sein, lasst uns darin übereinstimmen, dass Frieden unser Ziel ist.


Mexiko-Stadt, den 8. März 2004-03-22

 

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