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Brief der Gefangenen Ingrid Betancourt an ihre Mutter |
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Das hier übersetzte Schreiben ist ein persönlicher
Brief von Ingrid Betancourt, einer kolumbianischen Politikerin, die seit
dem 23 Februar 2002 von der kolumbianischen Guerillaorganisation FARC
gefangen gehalten wird. Ingrid Betancourts Brief ist an ihre Mutter
Yolanda Pulecio und ihre Familie gerichtet. Der Brief gelangte durch
eine Festnahme dreier Guerilleros in die Hände der kolumbianischen
Generalstaatsanwaltschaft (Fiscalía General de la Nación). Er wurde am
1.12.2007 in der kolumbianischen Tageszeitung El Tiempo veröffentlicht.
Yolanda Pulecio hat weder der Generalstaatsanwaltschaft noch der Zeitung
eine Genehmigung für eine Veröffentlichung erteilt. Da die
Generalstaatsanwaltschaft Betancourts Familie nicht den Originalbrief übergeben
hat, sondern nur eine Kopie und außerdem in dieser alle Seitennummern
entfernt wurden, ist zu vermuten, dass Teile des Briefes fehlen. Die Fédération
Internationale des Comités Ingrid Betancourt (FICIB) setzt sich für
die Freilassung aller Gefangenen der Guerilla ein. Durch die Übersetzung
des Textes können manche Stellen vom ursprünglichen Sinn abweichen. Es geht mir körperlich schlecht. Ich esse nicht mehr, ich habe keinen Appetit mehr, viele Haare fallen mir aus. (…) Das ist ein sehr schwieriger Moment für mich. Sie wollen um jedem Preis Lebenszeichen haben und deshalb schreibe ich dir hier und öffne dir mein Herz auf diesem Blatt Papier. (…) Ich habe zu nichts Lust. Ich glaube, es ist das einzig Sinnvolle, in diesem Dschungel zu nichts Lust zu haben, denn die einzige Antwort auf alles lautet immer „Nein". Also ist es besser, nichts zu wollen, um wenigstens frei zu sein von Wünschen, die nicht erfüllt werden. Seit drei Jahren bitte ich um eine Enzyklopädie, um etwas zu lesen, um etwas zu lernen, um meine intellektuelle Neugier am Leben zu erhalten. Ich hoffe weiter, dass sie mir wenigstens aus Mitleid eine besorgen, aber es ist besser nicht darauf zu hoffen. (…) Von da an ist jede Sache ein Wunder, sogar dich morgens zu hören, denn ich besitze nur ein altes und beschädigtes Radio. Liebe Mutti, ich möchte dich bitten den Kindern zu sagen, dass sie mir drei Nachrichten pro Woche senden (…) Nichts bedeutungsvolles, sondern nur dass, was sie können und ihnen auf die Schnelle einfällt (…) Ich brauche nicht mehr, aber ich muss mit ihnen in Kontakt sein. Das ist die einzige lebenserhaltende, wichtige, unverzichtbare Information, alles andere ist für mich nicht mehr wichtig (…). Wie ich schon erwähnt habe ist das Leben hier kein Leben. Es ist eine finstere Zeitverschwendung. Ich lebe oder überlebe in einer Hängematte, die zwischen zwei Pfählen aufgespannt ist und über der ein Moskitonetz hängt mit einer Plastikplane darüber, die als Dach dient. Das ist zurzeit mein Haus. Auf einem Regalbrett stelle ich meine Ausrüstung, das heißt meinen Rücksack mit Kleidung und die Bibel, die mein einziger Luxus ist. Alles ist immer bereit für einen schnellen Aufbruch. Hier gibt es kein Eigentum, nichts ist von Dauer. Unsicherheit und Ungewissheit sind die einzigen Konstanten. In jedem Moment können sie den Befehl geben, die Sachen einzupacken um aufzubrechen, und man schläft dann irgendwo in irgendeinem Loch, so wie ein Tier (…) Meine Hände schwitzen dann und mein Verstand trübt sich und ich mache alle Dinge halb so schnell wie sonst. Die Fußmärsche sind eine Qual, denn meine Ausrüstung ist für mich sehr schwer (…) Aber alles ist stressig, ich verliere meine Sachen oder man nimmt sie mir ab, so wie die Jeans, die mir Mela [ihre Tochter Melanie] zu Weihnachten geschenkt hat und die ich trug, als ich entführt wurde. Das einzige, was ich immer retten konnte ist die Jacke. Sie ist ein Segen für mich, da die Nächte sehr kalt sind und ich nichts anderes habe, um mich zuzudecken. Früher habe ich das Baden im Fluss genossen. Da ich die einzige Frau in der Gruppe bin, muss ich mich praktisch immer angezogen baden: mit Shorts, B.H, T-Shirt und Stiefeln. Früher bin ich gerne im Fluss geschwommen, heute habe ich noch nicht einmal die Kraft dafür. Ich bin schwach, ich friere viel, ich ähnele eine Katze, die sich dem Wasser nähert. Ich, die das Wasser immer so sehr mochte, erkenne mich nicht wieder. (…) Aber seitdem sie die Gruppen getrennt haben, fehlen mir das Interesse und die Energie für alles. Ich mache einige Dehnübungen denn der Stress blockiert mir den Nacken und er tut mir sehr weh. Mit den Streck- und Dehnübungen gelingt es mir, die Verspannungen in meinem Nacken etwas zu lindern. (…) Ich versuche zu schweigen und rede so wenig wie möglich, um Probleme zu vermeiden. Die Anwesenheit einer Frau zwischen so vielen Männern, die seit acht und zehn Jahren gefangen sind, stellt ein Problem dar (…) Bei den Durchsuchungen nehmen sie einem weg, was man am meisten liebt. Ein Brief, den ich von dir erhalten habe, wurde mir nach dem letzten Lebenszeichen, das sie von mir im Jahr 2003 veröffentlich haben, weggenommen. Auch die Zeichnungen von Natasha und Stanis, die Photos von Mela und Loli, die Kette mit dem Heiligenbild von meinem Papa und ein Regierungsprogramm mit 190 Punkten, alles haben sie mir weggenommen. Jeden Tag bleibt mir weniger von mir selbst übrig. Einige Details hat Pinchao [ein kolumbianischer Polizist, dem nach acht Jahren Gefangenschaft die Flucht gelungen ist] dir schon erzählt. Alles ist schwierig. Es ist wichtig, dass ich diese Zeile jenen widme, die mein Sauerstoff, mein Leben sind. Jene, die mich mit dem Kopf über Wasser halten und mich davor bewahren, in der Vergessenheit, im Nichts und der Hoffnungslosigkeit zu ertrinken. Ich spreche von dir, meinen Kindern, Astrica [ihre Schwester] und meine Kleinen [ihre Nichten und Neffen], Fab [ihr Ex-Mann], Tante Nancy und Juangui [ihr Ehemann]. Jeden Tag kommuniziere ich mit Gott, Jesus und der Jungfrau Maria (…) Hier hat alles zwei Seiten, auf Freude folgt immer Schmerz. Das Glück ist traurig. Die Liebe lindert und öffnet neue Wunden… so ist es ein Leben und Sterben immer aufs Neue. Jahrelang konnte ich nicht an die Kinder denken und der Schmerz durch den Tod meines Vaters hat mein Durchhaltevermögen erschöpft. Weinend dachte ich an meine Geliebten, ich hatte das Gefühl, zu ersticken, das Gefühl nicht weiter Atmen zu können. Ich sagte mir: „Fab ist dort, er kümmert sich um alles, ich sollte nicht darüber nachdenken, ich sollte nicht nachdenken“. Der Tod meines Vaters brachte mich an den Rand des Wahnsinns. Ich habe nie erfahren was genau geschehen ist, wer bei ihm war, ob er mir eine Nachricht, einen Brief oder eine Segen gelassen hat. Der Sturm in mir wurde gelindert durch das Wissen, dass er Gott vertrauend ging und dass ich ihn dort wieder umarmen werde, da bin ich mir sicher. Zu spüren, dass du stark bist gibt mir Kraft. Bis sie mich mit Lucho, Luis Eladio Pérez am 22. August 2003 in eine Gruppe gesteckt haben, habe ich keine Nachrichten empfangen können. Wir waren innige Freunde, im August wurden wir getrennt. Aber während der Zeit, die wir zusammen waren, unterstütze er mich, war er mein treuer Begleiter, mein Bruder (…). Das Alter aller [ihrer Kinder] habe ich im Gedächtnis. An jedem Geburtstag singe ich ihnen Happy Birthday. Ich bitte darum, dass sie mir erlauben, einen Kuchen zu backen. Aber seit drei Jahren ist die Antwort immer: Nein. Egal ob sie mir dann einen Keks, eine Reissuppe oder Bohnen bringen, was das übliche Essen ist, ich stelle mir dann vor, es wäre ein Kuchen und feiere dann ihre Geburtstage in meinem Herzen. An meine Melelinga [Melanie, ihre Tochter], meine Frühlingssonne, meine Prinzessin des Sternenbildes des Schwanes, sie, die ich so bewundere: dir möchte ich sagen, dass ich die stolzeste Mutter der Erde bin (…) Und wenn ich heute sterben müsste, dann würde ich zufrieden mit meinem Leben sterben und Gott für meine Kinder danken. Ich freue mich über ihr Masterstudium in New York. Das ist genau das, was ich ihr empfohlen hätte (…) Aber es ist sehr wichtig, dass sie ihren Doktor macht. In der heutigen Welt braucht man sogar zum atmen ein Diplom (…) Ich werde nicht müde werden Loli und Mela [ihre Kinder] zu drängen, nicht nachzugeben bis sie ihre Ph.D. bekommen haben. Ich hätte es gerne, dass Mela es mir verspricht (…). [Sie gibt Melanie weitere Empfehlungen und schreibt zum Schluss dann:] Ich habe immer gesagt, daß du die beste bist, viel besser als ich, so etwas wie die beste Version von dem, was ich gerne sein würde. Aufgrund der Erfahrungen, die ich im Leben gesammelt habe und aufgrund der Perspektive, die man gewinnt, wenn man die Welt von Weiten betrachtet, bitte ich dich, mein Schatz, dich vorzubereiten um auf den Gipfel zu kommen. An meinen Lorenzo, mein Loli Pop, mein Engel des Lichts, mein König des blauen Wassers, mein Chief Musician, der für mich singt und mich entzückt, an dem Herz hängt. Ich möchte ihm sagen, dass er seit dem Tag, an dem er geboren wurde und bis heute, die Quelle meiner Freude ist. Alles was von ihm kommt, ist Balsam für meine Seele, alles stärkt mich, alles besänftigt mich, alles bringt mir Freude und Sanftheit [sie widmet weitere Zeilen an ihren Sohn Lorenzo]. Endlich konnte ich seine Stimme hören, ein paar mal in diesem Jahr. Es war so ergreifend, dass ich gezittert habe. Es ist mein Loli, die Stimme meines Kindes, aber die Stimme meines Kindes ist bereits die Stimme eines Mannes. Die Heiserkeit eines männlichen Mannes, wie die meines Vaters (…) Letztens schnitt ich ein Bild aus der Zeitung, die durch Zufall in meine Hände fiel. Es war Werbung für ein Parfum von Carolina Herrera „212 Sexy Men“. Es zeigt einen jungen Mann und ich dachte: so wird wohl mein Lorenzo aussehen und ich habe es aufbewahrt. (…) Das Leben steht ihnen noch bevor, versucht das Höchste zu erreichen, studieren bedeutet zu wachsen, nicht nur wegen dem, was man intellektuell lernt, sondern auch wegen der menschlichen Erfahrung, der Menschen, die um einen herum sind und einen emotional erfüllen. Um jeden Tag sich selbst mehr unter Kontrolle zu haben und spirituell, um mehr Bereitschaft zu entwickeln, anderen Menschen zu helfen und seinen Egoismus auf das möglichste zu reduzieren und die größtmögliche Bescheidenheit und moralische Stärke zu entfalten. Beides ist miteinander verbunden. Das bedeutet zu leben, nämlich sich entwickeln, um anderen zu dienen. An meinen bewundernswerten Sebastián [Sohn von Ingrids Ex-Mann], meinen kleinen Prinz von Sternreisen. So viel möchte ich ihm sagen! Erstens, dass ich diese Welt nicht verlassen möchte ohne dass er Kenntnis, Gewissheit und Bestätigung hat, dass nicht zwei sondern drei Kinder in meinem Herzen sind (…) Aber mit ihm müsste ich Jahre des Schweigens entwirren, die seit der Gefangenschaft eine zu schwere Last für mich sind. Ich habe entschieden, dass meine Lieblingsfarbe das blau seiner Augen ist (…). Für den Fall dass ich von hier nicht freikommen sollte, schreibe ich es dir, damit du es in deinem Herzen bewahrst, mein bewundernswerter Babon, und damit du verstehst, was ich verstanden habe, als deine Geschwister geboren wurden, und dass ich dich immer liebe wie mein Sohn, den Sohn, der Gott mir gegeben hat. Der Rest sind Formalien. [Dann widmet sie weitere Absätze Fabrice Delloye, dem Vater ihrer Kinder] Ich weiß, dass Fab wegen mir viel gelitten hat. Mag sein Leiden Linderung haben, wenn er erfährt, dass er eine Quelle des Friedens für mich ist (…) Sagt Fab, dass ich mich an ihn anlehne, an seiner Schulter weine, ich mich auf ihn stütze, um vor Traurigkeit zu lächeln, seine Liebe macht mich stark. Weil er meine Kinder versorgt, kann ich aufhören zu atmen, ohne dass das Leben mich so sehr schmerzt. An meine Astrica [ihre Schwester] ich möchte ihr so viel sagen, dass ich nicht weiß, wo ich anfangen soll. Vielleicht, dass ihre „Lebenstips“ mich während des ersten Jahres der Entführung gerettet haben, während des Jahres der Trauer um unseren Vater. Ich muss mit ihr über all diese Erlebnisse sprechen, sie umarmen und weinen bis der Brunnen meiner Tränen, den ich in meinem Körper habe, erschöpft ist. Bei allem, was ich während des Tages erledige, ist sie mein Bezugspunkt. Ich denke immer: „Das habe ich mit Astrid gemacht als wir klein waren“ oder „Das konnte Astrid besser als ich“ (…) Ich habe sie mehrmals im Radio gehört. Ich bewundere ihre tadellose Ausdruckweise, die Qualität ihrer Überlegungen, die Beherrschung ihrer Emotionen, die Eleganz ihrer Gefühle. Ich höre sie und denke: „Ich möchte so sein“ (…) Ich kann mir vorstellen, wie sie mit Anastasia und Stanis Spaß hat. Wie tat es mir weh, als sie mir ihre Zeichnungen weggenommen haben. Das Gedicht von Anastasia sagte: „durch einen Glücksfall, durch Zauberei oder mit Gottes Hilfe wirst du in drei Jahren oder drei Tagen wieder bei uns sein“. Und die Zeichnung von Stanis zeigte eine Rettung per Hubschrauber; ich schlief in so einem Unterschlupf wie wir ihn hier haben und er war mein Retter. [Ingrid bedankt sich dann bei weiteren Familienmitgliedern]. Mutti, es sind so viele Menschen, bei denen ich mich bedanken möchte, weil sie an uns denken und weil sie uns nicht verlassen haben. Lange Zeit waren wir wie die Leprakranken, die das Fest verunstalten. Wir Geiseln sind nicht ein „politisch korrektes“ Thema. Es klingt besser der Guerrilla gegenüber Stärke zu zeigen, auch wenn einige Menschenleben geopfert werden. Ich sage nichts dazu. Nur die Zeit kann den Menschen die Augen öffnen. Ich denke zum Beispiel an die Erhabenheit der Vereinigten Staaten. Sie ist nicht das Ergebnis eines Reichtums an fruchtbarem Boden oder Rohstoffen, sondern das Ergebnis geistiger Größe der Führungspersonen, die das Land formten. Als Lincoln das Recht auf Leben und Freiheit der amerikanischen Sklaven verteidigte, stieß er auf Widerstände wie sie heute aus Florida und Pradera kommen [Die Guerilla verlangt die vorübergehende Demilitarisierung der Gemeinde Florida und Pradera für den humanitären Austausch von Geiseln, die sie in ihrer Gewalt hält]. viele politische und wirtschaftliche Interessen, die man als wichtiger ansah als das Leben oder die Freiheit einer Handvoll Schwarzer. Aber Lincoln siegte und von nun an war klar, dass in dieser Nation das menschliche Leben über jedem anderen Interesse steht. In Kolumbien müssen wir immer noch darüber nachdenken, woher wir kommen und wohin wir wollen. Ich hoffe, dass wir eines Tages den Drang nach Größe empfinden werden, der die Völker aus dem Nichts zur Sonne aufsteigen lässt. Wenn wir bedingungslos das Leben und die Freiheit der Unsrigen verteidigen, das heißt wenn wir weniger individualistisch aber solidarischer, weniger gleichgültig aber engagierter, weniger intolerant aber mitfühlender, dann werden wir das große Land sein, das wir alle sein möchten. Diese Größe schläft in unseren Herzen. Aber die Herzen haben sich verhärtet und sind so schwer geworden, dass sie keine erhabenen Gefühle ermöglichen. Aber es gibt viele Menschen bei denen ich mich bedanken möchte, weil sie dazu beitragen, die Menschen aufzurütteln und Kolumbien zu Größe zu verhelfen. Ich kann nicht alle nennen, aber einige [Sie erwähnt den Ex-Präsidenten López und „allgemein alle liberalen Ex-Präsidenten“, den ehemaligen Minister Hernán Echavarría, Familienmitglieder ebenfalls gefangener Abgeordneter, Monsignore Castro und Pater Echeverri]. Mutti, sie sind gekommen, um die Briefe abzuholen. Ich werde es nicht schaffen, alles zu schreiben, was ich wollte. An die Senatorin Piedad Córdoba und an den Präsidenten Hugo Chávez meine ganze Zuneigung und Bewunderung. Unser Leben [der Entführten] liegt ihnen am Herzen, von dem ich weiß, dass es groß und tapfer ist. [Sie widmet je einen Absatz mit Danksagungen an Präsident Hugo Chávez, an Bogotás ehemaligen Bürgermeister Lucho Garzón, an die Politiker Álvaro Leyva und Gustavo Petro und später erwähnt sie Journalisten). Mein Herz gehört auch Frankreich (…) Als die Nacht am dunkelsten war, war Frankreich der Leuchtturm. Als die Forderung nach unserer Freiheit nicht gerne gehört wurde, schwieg Frankreich nicht. Als unsere Familien beschuldigt wurden, Kolumbien zu schaden, unterstütze und tröstete Frankreich sie. Ich würde nicht daran glauben, dass meine Freilassung eines Tages möglich ist, wenn ich nicht die Geschichte Frankreichs und seines Volkes kennen würde. Ich habe Gott gebeten, daß er mich mit der gleichen Kraft beschützen möge mit der Frankreich es geschafft hat, Unglück aushalten damit ich mich würdiger fühlen kann, zu Frankreichs Kindern zu zählen. Ich liebe Frankreich mit meinem ganzen Herzen, mit allen Fasern meines Körpers versuche ich alle Bestandteile seines nationalen Charakters in mir aufzunehmen um mich immer von Prinzipien und nicht Interessen leiten zu lassen. Mit meinem Herzen liebe ich Frankreich, denn ich bewundere die Mobilisierungsfähigkeit eines Volkes, das wie Camus, das leben als Kompromiss und Engagement versteht. (…) All diese Jahre sind schrecklich gewesen, aber ich glaube nicht, dass ich noch weiter am Leben festhalten könnte ohne das Engagement, das sie uns gegenüber, also allen denen, die hier tot leben, zeigen. (…) Ich weiß, dass das, was wir hier leben, voller Ungewissheit ist, aber die Geschichte besitzt ihre eigene Reifungsdauer und Präsident Sarkozy steht in der Mitte der Geschichte. Mit den Präsidenten Chávez und Bush und der Solidarität des ganzen Kontinents könnten wir ein Wunder erleben. Während vieler Jahre hab ich gedacht, dass solange ich am Leben bin, solange ich weiter atme, dass ich die Hoffnung in mir behalten muss. Ich verfüge nicht mehr über die gleichen Kräfte, es fällt mir bereits schwer weiter zu glauben, aber ich möchte, dass ihr wisst, dass das was ihr für uns geleistet habt den Unterschied ausmacht. Wir haben uns als Menschen gefühlt (…). Mutti, es gibt noch so viel was ich dir erzählen möchte. Ich würde dir gerne erklären, dass ich seit langem nichts von Clara und ihrem Baby (*) gehört habe (…). Also, Mutti, Gott stehe uns bei, gebe uns Geduld und leite und schütze uns. Für immer und in Ewigkeit. * [durch die Vermittlung von Präsident Chávez und der Senatorin Piedad Córdoba sind Consuelo Gonzáles, Clara Rojas und ihr Sohn Emmanuel am 10.01.2008 freigelassen worden] |
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